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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Lagerfeuer
Majka Offline




Beiträge: 8.878

15.12.2006 22:34
Freundschaft antworten
Wer ist ein Freund?

"Zu Dir kann ich kommen, ohne eine Uniform anziehen oder einen Koran hersagen zu müssen; kein Stück meiner inneren Heimat brauche ich preiszugeben. In Deiner Nähe habe ich mich nicht zu entschuldigen, nicht zu verteidigen, brauche ich nichts zu beweisen. Über meine ungeschickten Worte, über die Urteile hinweg, die mich irreführen können, siehst Du in mir einfach den Menschen."

(...)

Wenn du bei deinem Freund und bei dir selber, anderswo als in dir und anderswo als in ihm die gemeinsame Wurzel suchst, wenn es für euch beide einen göttlichen Knoten gibt, der sich aus der Zusammenhangslosigkeit der Baustoffe ablesen lässt und die Dinge verknüpft, so gibt es keine Entfernung und keine Zeit, die euch trennen könnte, denn die Götter, auf die sich eure Einheit gründet, spotten aller Mauern und Meere.

Ich habe einen alten Gärtner gekannt, der mir von seinem Freund erzählte. Beide hatten lange Zeit wie Brüder zusammengelebt, bevor das Leben sie trennte; sie hatten ihren Abendtee miteinander getrunken, sie hatten gleiche Feste gefeiert und einander aufgesucht, um sich Rat zu holen oder sich ins Vertrauen zu ziehen. Im Grunde hatten sie sich wenig zu sagen, und weit häufiger sah man sie nach getaner Arbeit spazieren gehen und, ohne ein Wort zu reden, die Blumen, die Gärten, den Himmel und die Bäume anschauen. Wenn aber einer von ihnen nickte, während er mit dem Finger eine Pflanze betastete, beugte sich auch der andere nieder und nickte ebenfalls, da er die Spuren der Schnecken erkannte. Und die schön geöffneten Blumen bereiteten ihnen die gleiche Freude.

Nun geschah es, dass ein Kaufmann, der den einen von beiden in seine Dienste genommen hatte, diesen für einige Wochen seiner Karawane zuteilte. Doch die Karawanenräuber und die übrigen Wechselfälle des Daseins sowie die Kriege zwischen den Reichen, die Stürme und die Schiffbrüche und die Untergänge, die Trauerfälle und die Berufe, mit denen er sein Leben verdiente, warfen jenen jahrelang hin und her, so wie das Meer ein Fass hin und her schleudert. Sie trieben ihn von Garten zu Garten bis ans Ende der Welt.

Schließlich aber, nachdem all die Zeit in Schweigen dahingegangen war, empfing mein Gärtner einen Brief seines Freundes. Gott weiß, wie viele Jahre dieser Brief gereist sein mochte. Gott weiß, welche Postkutschen, welche Reiter, welche Schiffe, welche Karawanen ihn nacheinander mit einer Zähigkeit, wie sie den zahllosen Meereswellen eigen ist, bis in seinen Garten befördert hatten. Und da er an diesem Morgen sein Glück ausstrahlte und wünschte, dass man daran teilnehme, bat er mich, ihm den Brief vorzulesen, den er empfangen hatte, sowie man darum bittet, man möge ein Gedicht vorlesen. Und er betrachtete forschend mein Gesicht, um die Rührung darin zu erkennen, die mir das Lesen verursachte. Und freilich standen da nur einige Worte, denn die beiden Gärtner wussten gewandter mit dem Spaten umzugehen als mit der Feder. Und ich las nur diese Worte: „Heute früh habe ich meine Rosenstöcke beschnitten...“ Dann sann ich über die Hauptsache nach, von der es mir schien, dass sie nicht in Worte zu fassen sei, und nickte stumm, so wie es diese beiden getan hätten.

Mein Gärtner kannte nun keine Ruhe mehr. Ihr hättet ihn sehen sollen, wie er sich über die Geographie, die Schifffahrt, die Kuriere und die Karawanen und die Kriege zwischen den Reichen unterrichtete. Und drei Jahre später wollte es der Zufall, dass ich eine Gesandtschaft zur andern Seite der Erde ausrüstete. Da ließ ich meinen Gärtner rufen: „Du kannst deinem Freund schreiben.“ Und meine Bäume litten ein wenig Not und die Kräuter des Gemüsegartens auch, während die Schnecken Feste feierten, denn er verbrachte ganze Tage daheim, um zu kritzeln, zu radieren und sein Werk wieder von vorn zu beginnen, und er streckte die Zunge heraus, wie ein Kind über seiner Arbeit, denn er wusste, dass er etwas Dringendes zu sagen hatte, und verlangte danach, sich seinem Freund in seiner ganzen Wahrheit mitzuteilen. Er musste seine eigene Brücke über den Abgrund schlagen und sich über Raum und Zeit hinweg mit dem anderen Teil seiner selbst vereinigen. Er musste ihm seine Liebe sagen. Und so kam er, über und über errötend, und zeigte mir seine Antwort, um abermals aus meinem Gesicht einen Widerschein der Freude abzulesen, wie sie den Empfänger erhellen würde, und so an mir die Macht zu erproben, die seinen vertraulichen Nachrichten innewohnte. Und es gab in Wahrheit nichts Wichtigeres, was er kundtun konnte, da es für ihn dabei um das ging, worin er sich vor allem austauschte, nach Art der alten Frauen, die im Spiel der Nadeln ihre Augen verbrauchen, um ihren Gott mit Blumen zu schmücken. Ich las, dass er seinem Freund mit seiner sorgsamen und unbeholfenen Handschrift, wie ein Gebet, von dem er ganz durchdrungen war, doch mit bescheidenen Worten anvertraute: „Heute früh habe auch ich meine Rosenstöcke beschnitten...“

Und ich verstummte, während ich las, und sann über die Hauptsache nach, die sich mir nun besser zu offenbaren begann.

Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste

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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.878

16.12.2006 13:22
#2 RE: Freundschaft antworten

Ein denkwürdiger Tag

Eines Tages, ich war gerade das erste Jahr auf der High School, sah ich ein Kind aus meiner Klasse nach Hause gehen. Sein Name war Kyle. Es sah so aus, als würde er alle seine Bücher mit sich tragen. Ich dachte mir:
"Warum bringt wohl jemand seine ganzen Bücher an einem Freitag nach Hause? Das muss ja ein richtiger Dummkopf sein." Mein Wochenende hatte ich schon verplant (Parties und ein Fußballspiel mit meinen Freunden morgen nachmittag), also zuckte ich mit den Schultern und ging weiter.

Als ich weiterging, sah ich ein Gruppe Kinder in seine Richtung laufen. Sie rempelten ihn an, schlugen ihm seine Bücher aus den Armen und schubsten ihn, so dass er in den Schmutz fiel. Seine Brille flog durch die Luft, und ich beobachtete, wie sie etwa drei Meter neben ihm im Gras landete. Er schaute auf, und ich sah diese schreckliche Traurigkeit in seinen Augen. Mein Herz wurde weich. Ich ging zu ihm hinüber, er kroch am Boden umher und suchte seine Brille, und ich sah Tränen in seinen Augen.

Als ich ihm seine Brille gab, sagte ich: "Diese Typen sind Blödmänner."
Er schaute zu mir auf und sagte: "Danke!" Ein großes Lächeln zierte sein Gesicht. Es war eines jener Lächeln, die wirkliche Dankbarkeit zeigten.
Ich half ihm, seine Bücher aufzuheben und fragte ihn, wo er wohne. Es stellte sich heraus, dass es ganz in meiner Nähe war, also fragte ich ihn, warum ich ihn vorher nie gesehen habe. Er erzählte mir, dass er zuvor auf eine Privatschule gegangen war. Ich hätte mich nie mit einem Privat-Schul-Kind abgeben. Den ganzen Nachhauseweg unterhielten wir uns; und ich trug seine Bücher.

Er war eigentlich ein richtig cooler Kerl. Ich fragte ihn, ob er Lust hätte mit mir und meinen Freunden am Samstag Fußball zu spielen. Er sagte zu. Wir verbrachten das ganze Wochenende zusammen, und je mehr ich Kyle kennenlernte, desto mehr mochte ich ihn. Und meine Freunde dachten genauso über ihn. Es begann der Montag Morgen, und auch Kyle mit dem riesigen Bücherstapel war wieder da.
Ich stoppte ihn und sagte: "Oh man, mit diesen ganzen Büchern wirst du eines Tages noch mal Richtige Muskeln bekommen."
Er lachte und gab mir einen Teil der Bücher. Während der nächsten vier Jahre wurden Kyle und ich richtig gute Freunde.

Als wir älter wurden, dachten wir übers College nach. Kyle entschied sich für Georgetown, und ich mich für Duke. Ich wusste, dass wir immer Freunde sein werden, und diese Kilometer zwischen uns niemals ein Problem darstellen würden. Er wollte Arzt werden und ich hatte vor, eine Fußballer-Karriere zu machen. Kyle war Abschiedsredner unserer Klasse. Ich neckte ihn die ganze Zeit, indem ich sagte, er sei ein Dummkopf. Er musste eine Rede für den Schulabschluss vorbereiten. Ich war so froh, dass ich nicht derjenige war, der sprechen musste.

Abschlusstag, ich sah Kyle. Er sah großartig aus. Er war einer von denen, die während der High School zu sich selber finden und ihren eigenen Stil entwickeln. Er hatte mehr Verabredungen als ich, und alle Mädchen mochten ihn. Manchmal war ich richtig neidisch auf ihn. Heute war einer dieser Tage. Ich konnte sehen, dass er wegen seiner Rede sehr nervös war.
Ich gab ihm einen Klaps auf den Rücken und sagte: "Hey, großer Junge, du wirst großartig sein." Er sah mich mit einem jener Blicke (die wirklich dankbaren) an und er lächelte.
"Danke!", sagte er.

Als er seine Rede begann, räusperte er sich kurz und fing an: "Der Abschluss ist eine Zeit, um denen zu danken, die dir halfen, diese schweren Jahre zu überstehen. Deinen Eltern, Deinen Lehrern, Deinen Geschwistern, vielleicht einem Trainer... aber am meisten Deinen Freunden. Ich sage euch, das beste Geschenk, das ihr jemandem geben könnt, ist eure Freundschaft. Lasst mich euch eine Geschichte erzählen."

Ich schaute meinen Freund etwas ungläubig an, als er von dem Tag erzählte, an dem wir uns das erste Mal trafen. Er hatte geplant, sich an diesem Wochenende umzubringen. Er erzählte weiter, dass er seinen Schrank in der Schule ausgeräumt hat, so dass seine Mutter es später nicht tun müsste, und trug sein Zeug nach Hause.

Er schaute mich an und lächelte. "Gott sei Dank, ich wurde gerettet. Mein Freund hat mich von dieser unsäglichen Sache bewahrt." Ich konnte spüren, wie die Masse den Atem anhielt als dieser gutaussehende, beliebte Junge uns von seinem schwächsten Augenblick im Leben erzählte. Ich bemerkte wie seine Mutter und sein Vater lächelnd zu mir herüber sahen, genau dasselbe, dankbare Lächeln. Niemals zuvor spürte ich solch eine tiefe Verbundenheit.


Unterschätze niemals die Macht Deines Handelns. Durch eine kleine Geste kannst du das Leben einer Person ändern. Zum Guten oder zum Bösen. Die Schöpfung setzt uns alle ins Leben des anderen, um uns gegenseitig zu beeinflussen, auf jede Art und Weise. Sieh' das Gute in anderen.



***Freunde sind Engel, die uns wieder auf die Beine helfen,
wenn unsere Flügel vergessen haben wie man fliegt.***

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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.878

04.06.2008 08:57
#3 RE: Freundschaft antworten

Dein Freund ist die Antwort auf deine Not.

Er ist das Feld, das du besäst mit Liebe und worauf du erntest mit Dankgebeten.

Und er ist dein Tisch und dein Herd.

Denn du kommst zu ihm mit deinem Hunger und du suchst bei ihm deinen Frieden.

Äußert dein Freund frei seine Meinung, so fürchte nicht das "Nein" in deiner Meinung, noch halte mit dem "Ja" zurück.

Und schweigt er, so lasse dein Herz nicht ab, auf das seine zu lauschen; denn in der Freundschaft werden alle Gedanken, alle Wünsche und Erwartungen geboren und geteilt, ohne Worte, und mit einer Freude, die keines Beifalles bedarf.

Scheidest du von deinem Freunde, so gräme dich nicht; denn was du am meisten an ihm liebst, mag in seiner Abwesenheit klarer werden, wie der Berg dem Wanderer von der Ebene aus klarer erscheint.

Und deine Freundschaft verfolge kein weiteres Ziel als ein Vertiefen des Geistes.

Denn Liebe, die etwas sucht außer der Offenbarung ihres eigenen Mysteriums, ist nicht Liebe, sondern ein ausgeworfenes Netz: und nur das Wertlose wird darin gefangen.

Das beste, was du hast, sei für deinen Freund.

Wenn er um die Ebbe deiner Flutzeiten wissen muß, so laß' ihn auch um deren Hochwasser wissen.

Denn was wäre dein Freund, so du ihn nur aufsuchtest um Stunden totzuschlagen?

Suche ihn stets nur, um Stunden mit ihm zu erleben.

Denn er ist da, um das Fehlende in dir zu füllen, nicht deine Leere.

Und zu der Süße der Freundschaft geselle sich auch das Lachen und geteilte Lust.

Denn im Tau kleiner Dinge findet das Herz seinen Morgen und seine Erquickung.


Kahlil Gibran (aus: Der Prophet)

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Liebe Grüße
Majka

Lady_Masque Offline




Beiträge: 2.471

08.06.2008 09:15
#4 RE: Freundschaft antworten

Schöne Texte. Der erste ist einer meiner Lieblingstexte. Der zweite stammt aus dem Buch "Hühnersuppe für die Seele". Den dritten kannte ich noch nicht. Danke Dir!

Majka Offline




Beiträge: 8.878

05.08.2012 01:27
#5 RE: Freundschaft antworten

Heute lief mir die Geschichte über Kyle wieder "über den Weg". Vielleicht wollte sie nur aus dem älteren Teil des Forums herausgeholt werden.

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Liebe Grüße
Majka

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