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Dieses Thema hat 4 Antworten
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Lady_Masque Offline




Beiträge: 2.471

18.10.2009 11:08
Buchtipp: Abgespeist! Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können antworten

Ich möchte gerne dieses Buch empfehlen, das ich gerade lese. Der Autor war übrigens langjähriger Vorsitzender von Greenpeace, bis er irgendwann der Ansicht war, dass die Robben mittlerweile besser geschützt sind wie die Verbraucher.
Ich kann die Amazon-Rezensionen zum Buch überhaupt nicht teilen, die schreiben, das hätte man alles schon hundertmal gelesen. Ich beschäftige mich seit ich 16 bin mit solchen Themen, und für mich war viel Neues und Zusammenhänge, die ich so noch nicht kannte, enthalten. Der Autor schreibt stilistisch gut, detailiert und kann auch alle Behauptungen belegen (siehe Anhang im Buch). Er zieht auch die nötigen Querverbindungen zu Justiz oder Politik, so dass man einen Blick für das große Ganze bekommt.
Ich kann das Buch aber nur in Häppchen lesen, da man stellenweise schon eine Mordswut bekommt. Grundlegend kann man sagen, dass wir als Verbraucher, sofern wir nicht alles bei Demeter kaufen, ratenweise vergiftet werden und dass das die Normalität ist. Kein Wunder, dass so viele Menschen an Krebs sterben.
Aber ich will auch nicht alles verraten, lest selbst. Ich hab mir das Buch gebraucht um 3 Euro gekauft und empfehle es gerne weiter.



ISBN: 3596176298

Klappentext:
Wer meint, der lecker fruchtige Erdbeerjoghurt mit der Aufschrift "natürliches Aroma" erhielte seinen Geschmack durch Erdbeeren, der irrt zumeist. Ein destillierter Holzpilz ist hier der angepriesene Aromastoff. Solche Art von Etikettenschwindel ist leider nicht die Ausnahme im Lebensmittelhandel, sondern die Regel. Thilo Bode, langjähriger Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, beschreibt in Abgespeist den oftmals erschreckenden Zustand heutiger Lebensmittel und die strukturellen und gesetzlichen Hintergründe, die den Markt bestimmen.

Gammelfleisch und BSE, Dioxin in Babynahrung, Acrylamid in Kartoffelchips und Pestizide in Paprika - regelmäßig rütteln Lebensmittelskandale den Verbraucher auf, führen zu lärmenden Medienkampagnen - und versanden meist nach recht kurzer Zeit im Nichts. Dabei handelt es sich bei den genannten Skandalen nur um die Spitze eines gewaltigen Eisbergs. Über 300 Lebensmittelzusatzstoffe sind beispielsweise von der EU zugelassen - die Hälfte davon ist wegen ihrer möglicherweise negativen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Konsumenten umstritten. Die sogenannten "E"s konservieren, färben, stabilisieren und verstärken den Geschmack - und dienen so in erster Linie als verkaufsfördernde Kosmetik für minderwertige Nahrungsmittel. Fleischabfälle werden global verschoben und unter neuer Etikettierung reimportiert, der Fertigteig für das morgendliche Backshop-Brötchen kommt aus China. Die Herkunft und Zusammensetzung einzelner Lebensmittel ist für den Verbraucher kaum mehr nachvollziehbar. Der Gesetzgeber unterstützt dabei die Verschleierungstaktiken der Nahrungsindustrie; denn schließlich soll dieser ja kein wirtschaftlicher Schaden entstehen.

Die mangelhaften gesetzlichen Bestimmungen im Bereich von Lebensmittelproduktion und -vertrieb sind denn auch der Hauptansatzpunkt von Bodes weitreichender Kritik. Nicht der einzelne Verbraucher und dessen vielgescholtene "Geiz ist geil"-Mentalität sind demnach verantwortlich für den eklatanten Qualitätsverlust heutiger Nahrungsmittel. Vielmehr sind Agrarwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Politik zu einem einzigen gewaltigen Lobbyblock verschmolzen, der dem Einzelnen und einem möglichen "Protest mit dem Einkaufswagen" keine Chance lässt.

Thilo Bode zeigt detailliert auf, wie die teilweise groteske Praxis der EU-Agrarsubventionen, fragwürdige Entscheidungen des Gesetzgebers und skrupellose Praktiken der Nahrungsmittelindustrie sich zu einem unappetitlichen Ganzen addieren. Eine Beseitigung dieser Missstände kann nach Meinung des Autors nur durch politischen Druck herbeigeführt werden. So gründete Bode 2002 in Berlin die Verbraucherrechtsorganisation "Foodwatch", die für Transparenz auf dem Lebensmittelmarkt und die Rechte der Verbraucher kämpft. Sein Buch ist ein wichtiger Bestandteil dieses Kampfes.

Majka Offline




Beiträge: 8.781

22.10.2009 23:20
#2 RE: Buchtipp: Abgespeist! Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können antworten

Mag sein, dass es mit dem Buch zusammenhängt - vor etwa 2 Wochen war es bei WISO eine Sendung darüber, wie wir als Verbraucher betrogen werden, wenn wir denken, dass wir regionale Produkte kaufen.
Als Beispiel: Sachsenmilch (gehört dem Müllerkonzern, wie übrigens auch schon St. Weihenstephan ) - dort kommen Milchzisternen nicht nur aus Sachsen, sondern auch aus anderen Bundesländern, aber auch aus Polen u. Tschechien, es wird dort nur weiterverarbeitet u. verpackt.
Brandenburger Milch wird in Köln (NRW) abgefüllt - auf der Verpackung mit Kleinschrift erwähnt, was man beim ersten Blick natürlich nicht sieht.
Ähnliches galt für andere "regionale" Produkte, wie z.B. Schwarzwälder Schinken etc.

Über die Holzspäne im Erdbeeryoghurt ist es m. E. ziemlich gut bekannt. Es gibt eine ganze Industrie, die sich damit befasst, mit chemischem Zeug natürliches Aroma und Geschmacksrichtungen zu erzeugen, auf dem Etikett verbergen sich diese Stoffe unter den verschiedensten EU-Kodierungen mit den E-Nummern.

Über Milch habe ich neulich erfahren, dass bei jeder Art von Milch (auch Bio) zuerst alles voneinander mit chemischen Prozessen getrennt wird (Fett und Molke), um es anschließend wieder zusammenzuführen - wegen dem präzisen Fettgehalt - also alles künstlich erzeugt, auch wenn es Bio-Etikett trägt.
Was soll man sich dabei schon denken?

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Liebe Grüße
Majka

Lady_Masque Offline




Beiträge: 2.471

23.10.2009 20:27
#3 RE: Buchtipp: Abgespeist! Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können antworten

Hier ist noch ein Artikel zu einem Thema, das auch im Buch vorkam. Für mich besonders interessant weil es den Babynahrungsproduzenten Hipp betrifft, der bei uns "um die Ecke" die Fabrik hat.

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Gift in Bioprodukten: Der Nitrofen-Skandal


Über Futtergetreide gelangte der Giftstoff Nitrofen im Jahr 2002 aus einer mit Pflanzengiften belasteten Lagerhalle in Bio-Fleisch und Bio-Eier. Die Ereignisse um den Skandal sind ein Paradebeispiel für unzureichende Straf- und Haftungsregelungen: Die Verantwortlichen gingen straffrei aus.


Wer Futtermittel mit krebserregenden und fruchtschädigenden (Schwangerschaft) Stoffen in Umlauf bringt, bleibt in Deutschland ungestraft - dieses Fazit lässt sich aus dem Nitrofen-Skandal ziehen.
Giftfund in Putenfleisch

Im Januar 2002 fand Babynahrungs-Hersteller "Hipp" Nitrofen in einer Lieferung Bioputenfleisch der "Grüne Wiesen Biohöfe GmbH". Nitrofen ist ein Unkrautvernichtungsmittel (Herbizid). Seit den achtziger Jahren ist die Chemikalie in der Bundesrepublik verboten, seit der Wiedervereinigung auch im Osten Deutschlands. Nitrofen ist im Tierversuch krebserregend und schädigt Embryos schwer. Schon kleinste Dosen oder einmalige Aufnahme können Missbildungen im Mutterleib auslösen. Im Laufe weiterer Untersuchungen wurden auch anderswo bei Bio-Fleisch und Bio-Eiern hohe Nitrofen-Belastungen gemessen. Zeitweilig waren 450 Betriebe bundesweit gesperrt, Zehntausende Hennen und Puten wurden getötet. Vor allem Bio-Landwirte und -Hersteller waren betroffen.

Die öffentliche Empörung war groß: Bio-Landwirte wurden verdächtigt, verbotene Unkrautvernichter einzusetzen, Politiker verlangten harte Strafen für die Verantwortlichen, die Berichterstattung der Medien überschlug sich.
Die Giftquelle: Mecklenburgisches Getreidelager

Als Quelle der Kontamination wurde schließlich eine Lagerhalle in der mecklenburgischen Kleinstadt Malchin, Landkreis Demmin, ausgemacht. Bis 1995 wurden hier Restbestände nitrofenhaltiger Pflanzenschutzmittel aus DDR-Zeiten aufbewahrt - zum Teil in rostigen Fässern, aus denen die Flüssigkeit in den Hallenboden sickerte. Die Firmen "HaGe Nordland" und die "Norddeutsche Saat- und Pflanzengut AG Neubrandenburg (NSP)" lagerten später in der kontaminierten Halle Getreide ein. Das eingelagerte Bio-Getreide landete über Mischfutterhersteller bei Bio-Landwirten, die es an ihr Geflügel verfütterten. So gelangte das Gift aus dem Boden der Lagerhalle über das Getreide in Bio-Fleisch und Bio-Eier und auf unsere Teller.

Sowohl die staatlichen Lebensmittelkontrollen als auch die Selbstkontrolle der Bio-Hersteller hatten versagt. Nahrungsmittel wurden auf Nitrofen, das ja bereits seit langem verboten war, längst nicht mehr standardmäßig getestet.
Verantwortliche gehen straffrei aus

Die Verantwortlichen für den wohl größten Futtermittelskandal der vergangenen Jahre wurden bis heute nicht belangt. Die durch Strafanzeige (auch von foodwatch) ausgelösten Ermittlungen mussten eingestellt werden. Denn das Gesetz verlangt Unmögliches: ein ganz konkretes Opfer. Einen Krebskranken, der nachweislich durch den Verzehr belasteten Fleisches erkrankt ist, eine Schwangere, deren Kind durch Nitrofen Missbildungen erlitt.

Den Firmen, die trotz der durch die starke Geruchsbelästigung ganz offensichtlichen Belastung der Lagerhalle hier Getreide einlagerten, droht lediglich ein maximales Bußgeld von 25.000 Euro wegen einer Ordnungswidrigkeit. Selbst dieses ist bisher nicht verhängt worden. Die Empörung der Politiker und der Öffentlichkeit hat sich schnell gelegt. Eine Gesetzesänderung, die es erlauben würde, die Verantwortlichen solcher Machenschaften zu bestrafen, fehlt bis heute.
foodwatch fordert wirksame Sanktionen

foodwatch hat ausführlich zum Thema Nitrofen recherchiert, die Verantwortlichen des Nitrofenskandals ermittelt und die Strukturen aufgedeckt, die derartige Vorfälle ermöglichen. Die Ergebnisse sind auf den folgenden Seiten dokumentiert. Wichtigste Folgerung aus den Geschehnissen: Wer Futtermittel mit Giftstoffen versetzt, dem müssen empfindliche und in der Praxis anwendbare Strafen drohen. Nur dann kann es entscheidende Fortschritte bei der Sicherheit unserer Lebensmittel geben.

Majka Offline




Beiträge: 8.781

24.10.2009 10:55
#4 RE: Buchtipp: Abgespeist! Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können antworten

Das ist nur eine Seite der Münze, liebe Lady.
Viele Schadstoffe gelangen in die Umwelt (und damit auch in die Nahrungskette) durch den Menschen selbst. Ein großes Problem in Gewässern stellen z.B. Rückstände von verschiedensten Arzneimittel dar, unter ihnen auch Hormone. Das Zeug lässt sich in kommunalen Kläranlagen nicht restlos beseitigen, wenn überhaupt, weil die Mengen nach den gesetzlichen Vorschriften "unbedenklich" sind - und so gelangen sie ins Wasser und wirken sich so auf Fische und andere Lebewesen und natürlich auch auf Pflanzen aus. Das Cocktail aus solchen verschiedensten Spurenstoffen hinterlässt nach längerer Zeit seine Spuren: die Tiere haben "komische" Geschwülste und Missbildungen, können sich nicht reproduzieren u.ä. Es wird zwar untersucht, aber keiner kann eine akzeptable Lösung anbieten.
Die Menschen hören nicht auf, ihre Medikamente zu schlucken, die sich wiederum über Urin und Stuhl ausgeschieden im Abwasser vorfinden...
Hinzu kommen noch solche fahrlässige Handlungen, wie oben beschrieben - und vieles mehr. Traurig, wirklich traurig...

_______________

Liebe Grüße
Majka

findallyouneed ( gelöscht )
Beiträge:

25.10.2009 20:54
#5 RE: Buchtipp: Abgespeist! Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können antworten

Kann Euch den Film: "We feed the world" wärmstens empfehlen.

Es geht nur noch um Geld und Macht, auch bei unseren
Lebensmitteln.

Der Trailer zum Film:
http://www.youtube.com/watch?v=41mi9igl5Kk

Auch einige Videoauschnitte:
http://video.google.com/videoplay?docid=-7738550412129841717#

Eine interessante Zusammenfassung auf Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/We_Feed_the_World

Diesen Film / DVD kann man z.B.bei ebay kaufen, lohnt sich
wirklich, dass "Zusatzmaterial" ist nochmal mehr als der
Film selbst und genauso Interessant. Damit unterstützt
man / frau die mutigen Regisseure die es wagen darüber
zu berichten

liebe Grüsse und eine gute Nacht

 Sprung