Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Übersicht | Suche | Anmelden | Login | Online ? | Mitglieder | Chat | FAQ


 

 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 80 mal aufgerufen
Bei Antworten informieren
 Unsere Mitgeschöpfe
Majka Offline




Beiträge: 8.781

19.09.2010 15:53
Evolution und Darwin antworten

Abschied von Darwin? Das neue Bild der Evolution

Das Darwin'sche Modell der Evolution ist fast zu einer Religion geworden. Aber mehr und mehr Indizien sprechen dafür, dass es wohlmöglich nur die halbe Wahrheit ist. Mutation, Konkurrenz und Zufall - alle Pfeiler dieser Theorie geraten mehr und mehr ins Wanken. Ist Evolution vielleicht vielmehr ein kreativer Prozess mit einem klaren Ziel?


Paradigmenwechsel


Evolution Darwin

Jede Generation und Zeitepoche scheint aufs Neue zu glauben, nun endlich doch über gesichertes Wissen zu verfügen. Den Weg zur Erkenntnis scheinen wir uns vorzustellen wie eine Straße, an deren Ende die Wahrheit in einer goldenen Schale dargereicht wird - ab da gibt es dann nichts mehr zu erkennen und forschen, alles Wissen wurde gesammelt, nun darf man sich ausruhen.

Kaum jemandem scheint in den Sinn zu kommen, dass wir wohlmöglich noch verdammt wenig darüber wissen, was hier eigentlich los ist und noch so einiges von unserem angeblich gesicherten Wissen den gleichen Weg nimmt, wie das gesicherte Wissen vorher. Man sollte auch Bedenken, dass wir heute weitestgehend auf der Grundlage von Wissen agieren, das schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Sei es die Newton'sche Physik - oder eben die Theorie der Evolution nach Darwin.


Konkurrenzkampf?
Kaum eine wissenschaftliche Theorie kann so einen Siegeszug verzeichnen, wie die Evolutionstheorie Darwins. Und kaum eine hat so weit reichende kulturelle Konsequenzen, wie sein Postulat eines ständigen Überlebenskampfes, in dem nur die Bestangepassten überleben. Wenn auch unbewusst, dürfte es doch das Bild der meisten Menschen davon prägen, wie unsere Welt funktioniert. Der Selektionsdruck und Konkurrenzkampf sitzt uns allen im Nacken.

So wichtig seine Erkenntnis ist, dass sich Arten fortentwickeln - eine Einsicht, die der Mensch in Bezug auf sich selbst übrigens gern ignoriert - so falsch lag möglicherweise die Betonung in Darwins Theorie. Denn immer mehr Indizien sprechen dafür, dass wir es vor allem mit einer Evolution der Kooperation zu tun haben. Eigentlich sollte dies gerade dem Menschen einleuchten, der sich bekanntermaßen gerne in arbeitsteiligen Rudeln aufhält und als einzelnes Individuum wohl weder Mammuts erlegt noch das Fliegen gelernt hätte.

Aber nicht nur in Bezug auf Sozialverhalten und Überlebensstrategien konnte vielfach nachgewiesen werden, dass Kooperation das eigentlich gewinnende Prinzip ist. Auch wenn wir uns die Entwicklung des Lebens auf dem Planeten mal als Ganzes ansehen, sollte einem eigentlich ins Auge springen, wohin die Reise geht.


Kooperation! Von Zellen und Gemeinschaften
Die ersten Lebewesen der Ursuppe waren Einzeller, einfache Bakterien namens Prokaryoten, kaum mehr als eine Membran mit ein bisschen Plasma darin. Und eigentlich hätte die Geschichte hier vorbei sein müssen, die bestangepasste Bakterie hätte überlebt, und fertig. Denn die Explosion der Bakterien-Kulturen führte in der Tat zu einem Selektionsdruck und zu Evolution - die aber fand nicht nur durch eine Verbesserung der individuellen Zellen statt, sondern schon hier durch die erste Form von Kooperation: Die Bakterien fanden sich zu größeren Lebensgemeinschaften zusammen von denen alle profitierten. Zunächst waren diese Einheiten recht lose Verbindungen, so genannte Biofilme, in denen verschiedene Bakterienarten in Symbiose zusammenlebten. Aber schon bald kam die nächste Stufe.

Die Zusammenarbeit verstärke sich soweit, dass die Strategie als einzelne Zelle zu Überleben von einigen ganz aufgegeben wurde. Diese Zellen schlossen sich zu einem Kooperationssystem einer völlig neuen Kategorie zusammen: Sie entwickelten sich zu Mitochondrien und Chloroplasten und bevölkerten fortan den Zellkern der so genannten Eukaryoten, ebenfalls Einzeller, die sich nach heutigem Wissensstand zeitgleich mit den Bakterien entwickelten.

Der Zusammenschluss von Individuen zu einer allen dienenden Symbiose, die Organisation in einer höheren Kooperationsform, kann als die eigentliche Schubkraft der Evolution und die grundsätzliche Strategie des Lebens auf der Erde begriffen werden - und das klingt schon mal sehr anders, als die Darwin'sche Sicht der Dinge.

Die Biologin Lynn Margulis weist in ihrem Buch "Symbiosis in Cell Evolution" den Darwin'schen Gedanken, die Konkurrenz sei der Antriebsmotor der Evolution, entschieden zurück: "Das Leben hat den Globus nicht durch Kampf erobert, sondern durch Vernetzung." Eine Lektion, die zu lernen auch dem Menschen sehr zuträglich sein könnte. Die Entwicklung der Eukaryoten war nicht nur eine der größten Revolution der Evolutionsgeschichte, sie zeigt uns auch, wie falsch wir mit unserem darwinistischen Begreifen der Natur und der Gesellschaft wahrscheinlich liegen.


Evolution der Zellgemeinschaften
Die Evolution verzweigte sich an diesem Punkt in das, was wir heute als Tiere und Pflanzen kennen. Auch hier tut es der Perspektive gut, wenn wir uns klar machen, dass dies beides eben nur verschiedene Formen von Zellgemeinschaften sind. Zwei Kooperationsformen, durch welche diese kleinen schleimigen Bakterienkolonien es geschafft haben, mit Hilfe von Symbiose zu völlig ungeahnten Möglichkeiten zu gelangen. Denn egal wie sehr eine einzelne Zelle sich auch angepasst hätte, die Fähigkeiten eines Leoparden hätte sie wohl kaum erreicht. Und doch ist der Leopard nicht mehr als ein Netzwerk, eine Gemeinschaft von Zellen.

Diese neuen, noch komplexeren Gemeinschaften entstanden, als auch die Eukaryoten sich wieder zusammenschlossen. Dabei wiederholte sich dasselbe Muster, wie bei den Prokaryoten: Zunächst fanden sie sich wieder zu losen Lebensgemeinschaften zusammen und verschmolzen schließlich zu einem Organismus höherer Ordnung. Die Eukaryoten durchliefen dabei eine Transformation und eine völlig neue Ebene von Arbeitsteilung fand statt - die nun differenzierten Zellen übernahmen im neuen Organismus ganz bestimmte Aufgaben. So bildeten sich Nerven, Muskeln und Knochen - und jene hoch komplexe Organismen, mit erstaunlichen Wahrnehmungs- und Bewusstseinsmöglichkeiten, die wir als Menschen kennen.


Der Mensch
Wenn wir Evolution als einen Prozess sich ständig erweiternder Kooperation begreifen, das Muster erkennen, das sich hier über Milliarden von Jahren offenbart, dann ist anzunehmen, dass auch der Menschheit in Kürze eine neue Ebene der Kooperation bevorstehet, die ihre Möglichkeiten wohlmöglich ebenso drastisch erweitert, wie die Zellen die ihren durch die Erfindung des Menschen erweitert haben.

Sowohl die meisten Tiere als auch der Mensch haben das Muster der Evolution fortgesetzt: Die einzelnen Individuen fanden sich zu freien Kooperationen, zu Stämmen und Nationen, kurz zu sozialen und gesellschaftlichen Zusammenschlüssen zusammen. Für den Menschen könnte es nun an der Zeit sein, auf die nächsthöhere Stufe zu wechseln - und vielleicht steht dieser Schritt unmittelbar bevor.


Quantensprünge der Evolution
Ein langer Streit in der Evolutionsforschung ist die Frage, ob es sich dabei um einen gleichmäßigen, allmählichen Prozess handelt, wie von Darwin angenommen, oder ob sie vielmehr in Sprüngen verläuft. Wenn wir nicht in einzelnen Arten, sondern in weit größeren Maßstäben denken, scheint sich die Erkenntnis geradezu aufzudrängen, dass wir es in der Tat mit Sprüngen zu tun haben. Milliarden von Jahren gesehen nur leichte Veränderungen, bis sich verhältnismäßig plötzlich eine höhere Ordnung einstellt. So verlief der Sprung von Prokaryoten zu Eukaryoten und auch der von dort zu den Mehrzellern. Diese Sichtweise der Dinge wurde von den amerikanischen Paläontologen Niles Eldredge und Stephen Jay Gould "Punktualismus" genannt. Zwar begreifen auch sie die Evolution als einen graduellen Prozess, nehmen aber an, dass dieser an bestimmten Punkten rasant an Geschwindigkeit zulegt.

Dies ist für den Menschen offenbar genau jetzt der Fall - denn derzeit verändert sich unser Genom etwa 100 Mal so schnell wie im Durchschnitt der bisherigen menschlichen Entwicklung.


Die Sache mit den Genen
Die Genforschung, die Darwins These soweit nachgelaufen ist, dass sie sogar das 'egoistische Gen' ausgerufen hat, bringt derzeit ebenfalls so einige Quantensprünge hinter sich. Nicht nur ist mittlerweile klar, dass die Gene alles andere als starr und schicksalsbestimmend sind, und wir durch unseren Lebensstil und unseren Geist einzelne Gene an und ausschalten können, wir können dieses so genannte Epigenom sogar an unsere Nachkommen vererben.

Da lugt ein alter Bekannter um die Ecke, den wir schon alle längst in der Mottenkiste der Forschung verschwunden glaubten. Jean Baptiste Lamarck nämlich, ein Vorgänger Darwins, der Evolution als eine Anpassung der Arten an ihre jeweiligen Bedürfnisse sah. Oft wurde diese Sichtweise sehr vereinfacht dadurch beschrieben, dass nach seiner Ansicht Giraffen deshalb einen langen Hals hätten, weil sie ihn so oft nach den Blättern hoch im Baum ausgestreckt haben. Da lacht der Darwinist. Aber vielleicht nicht mehr lange.

Denn schon seit vielen Jahren gibt es nun wieder Hinweise, dass Lamarck vielleicht doch nicht ganz falsch lag und die Wahrheit irgendwo in der Mitte zwischen seiner und Darwins Ansicht liegt.


Evolution ist kein Zufall
Die Frage ist nicht weniger die: Ist die Annahme, dass alle Mutationen Zufälle sind und durch die Selektion schlicht jene überleben, die zufällig eine vorteilhafte Mutation haben, haltbar, oder steckt doch mehr dahinter?

Einige Versuche mit Bakterien zeigen, dass es wohl etwas komplizierter ist: Schon 1988 wies der Genetiker John Cairns nach, das Laktose-intolerante Bakterien, die nichts anderes als Laktose vorgesetzt bekommen, nach wenigen Teilungen plötzlich dergestalt mutieren, dass die Nachkommen Laktose verdauen können. Solche Mutationen, die direkt auf äußeren Stress reagieren, wurden Punktmutationen oder adaptive bzw. zielgerichtete Mutationen genannt. Ähnliche Versuche wurden mittlerweile von Susan M. Rosenberg und vielen anderen Forschern wiederholt.

Eine mögliche Erklärung wurde darin gefunden, dass ein Organismus unter Stress einen Prozess in Gang setzt, der somatische Hypermutation genannt wird. Das heißt, der Organismus produziert quasi mutwillig Mutationen - und zwar so lange, bis eine gefunden wird, die den Stress auflösen kann. Dann hört die Hypermutation auf - ein klarer Hinweis, dass diese ein Ziel verfolgte.

Wie Bruce Lipon und Steve Bhaerman es in ihrem Buch "Spontane Evolution" treffend schreiben, kann die Frage, ob unsere Evolution zielgerichtet oder zufällig erfolgt, daher eindeutig mit Ja beantwortet werden. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Evolution ist ein zufälliger Prozess, aber dieser Prozess hat ein Ziel. Wie dieses Ziel erreicht wird, ist unklar und der Kreativität des Universums, dem Zufall überlassen. Auch als Forscher der Frage nachgingen, ob sich Bakterienkulturen unter gleichen Bedingungen ohne Selektionsdruck über lange Zeiträume gleich entwicklen würden, konnten sie feststellen, dass die Natur tatsächlich auf verschiedenen Wegen zu den gleichen Ergebnissen kommt.

Dass dies vielleicht nicht nur im Reagenzglas sondern auch in der realen Welt der Fall ist, könnte das Mysterium der Pol-Spezies zeigen: Wie sich herausgestellt hat, lassen sich an beiden Polen 235 absolut identische Spezies finden. Eine Erklärung dafür gibt es nicht, an parallele Evolution will man aber nicht glauben. Bisher sucht man nach einer Erklärung, wie die zum Teil mikroskopischen Tierchen die gesamten Weltmeere durchschwimmen könnten.


Spontane Evolution
Aber es gibt andere Beispiele, die noch mehr Kopfzerbrechen bereiten: Etwa die Studie an Italienischen Wand Echsen, die, nachdem Forscher sie in eine neue Umgebung mit reichlich pflanzlicher Nahrung gesetzt hatten, in kürzester Zeit eine dramatische Evolution durchmachten. In nur 36 Jahren änderte sich die Kopfform, die Tiere wurden Vegetarier und entwickelten ein entsprechendes Verdauungssystem und Gebiss. Aber nicht nur ihr Körper, auch ihre sozialen Strukturen änderten sich dramatisch, wie Duncan Irschick, Professor für Biology an der Universität von Massachusetts berichtet.

Evolution kann also offenbar sehr viel schneller ablaufen, als bisher angenommen und scheint auch beinahe zielgerichtet zu verlaufen, wenn die äußeren Umstände sich drastisch ändern. Wie genau das geschieht und warum, das beginnen wir gerade erst zu begreifen.


Junk DNA
Ein Baustein zum Verständnis scheint in dem zu liegen, was die Forscher bisher als Junk-DNA bezeichnet haben - nämlich jene 98 Prozent unserer DNA, auf die sich die Wissenschaft noch keinen rechten Reim machen kann. Allein die Tatsache, der Natur zu unterstellen, sie würde 98 Prozent nutzlosen Schrott (Junk) in unser Erbgut schreiben, lässt schon erahnen, dass man hier mal ordentlich auf dem Holzweg war.



Nun wissen wir: Die restlichen 98 Prozent, die nicht unsere Gene beherbergen, bestehen nicht aus DNA-Schrott, sondern sind zur einen Hälfte Gene, welche die Zellregulation aufrecht erhalten. Die andere Hälfte aber sind Transposons, Gene, die sich selbst aus der DNA herauslösen, sich frei im Erbgut bewegen und selbstständig an anderen Stellen wieder einsetzen. Durch diese neuen Code-Bausteine ändert sich freilich der Sinn des umgebenden Erbguts und Mutationen entsehen. Diese springenden Gene sind sozusagen Joker, die unser Genom neu kombinieren und umschreiben können. Wie und warum genau, das weiß man bisher noch nicht, gerade erst wurden alle diese Transposone entschlüsselt.

Was man weiß ist, dass Transposone normalerweise inaktiv sind - losgelassen werden sie erst dann, wenn Umweltreize dazu drängen. Sie könnten sowohl für zielgerichtete spontane Evolution als auch für Evolutionssprünge eine Erklärung bieten. In jedem Fall dürfte die Zeit des materialistischen, eindimensionalen Denkens erstmal wieder vorbei sein.

"Die Tatsache, dass sich das Erbgut selbst verändern kann und sozusagen sensibel auf äußere Reize reagiert, war ein arger Bruch des Dogmas einer maschinell geprägten Auffassung unseres Erbgutes", erklärt der Freiburger Molekular- und Neurobiologe Joachim Bauer. Evolution geschehe demnach nicht bloß zufällig und mit dem Schliff der Selektion, sondern sei ein ständiger und kreativer Prozess.

Wenn das der Darwin noch gehört hätte.

Quelle: www.sein.de

_______________

Liebe Grüße
Majka

 Sprung