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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Lagerfeuer
Majka Offline




Beiträge: 8.781

02.01.2007 14:44
Abenteuer im astralen Alltag antworten
Ich channel was, was du nicht siehst
von Annadruse Miems

(mit freundlicher Genehmigung von Elraanis-Verlag)


Pfannkuchen
Ich bemerkte den Brummer erst, als er sich im direkten Anflug auf den Pfannkuchenteig befand, den ich gerade mit Hingabe rührte. Mit einem entsetzten Aufschrei sprang ich zurück. Franziska steckte ihren Kopf den Durchgang zur Küche herein. „Eine Riesenwespe!“ kreischte ich und schlug mit dem Teiglöffel um mich. Dann hatte ich das Biest aus den Augen verloren und hielt inne.

„Wohl eher eine Hornisse“, belehrte mich meine Tochter. Plötzlich brummte es laut und zornig direkt an meinem Ohr. Mit einem Entsetzensschrei sprang ich neben Franziska. Die Hornisse umkreiste den Pfannkuchenteig und flog dann die Batterie an Saft- und Wasserflaschen entlang, die ich auf Energetisierkärtchen gestellt hatte.

„Ich hol den Staubsauger“, sagte ich mit fester Stimme, doch meine Tochter hielt mich zurück.
„Die stehen unter Naturschutz“, meinte sie, schloss ihre Augen und streckte der Hornisse eine Handfläche entgegen. Diese zog daraufhin noch einen Kreis um meine Bleche mit Zwiebelkuchen, die bereit standen, in den Ofen geladen zu werden, wandte sich dann wieder Richtung Fenster, das ich auf Kipp gestellt hatte, und flog, ohne auch nur einmal gegen Glas zu klatschen, in die Freiheit zurück.
Franziska war ihr mit der Handfläche gefolgt und öffnete jetzt wieder die Augen. „Puh“, sagte ich und fuhr mir durchs Haar, wie um die Erinnerung an das gefährliche Brummen wegzuwischen.
„Am besten, du hältst dich heute zurück. Kümmerst dich um den Getränkenachschub und so.“ Sie blickte zur Küchenuhr. „Und bis es losgeht, könntest du...“
„Wollen wir nicht doch noch ein bisschen dekorieren und so?“ unterbrach ich sie. Missbilligend schüttelte sie den Kopf. „Oder ein paar Spiele rauslegen?“ Franziska schnaubte. Vierzehn, schwieriges Alter. Für die Mutter hauptsächlich.
„Vielleicht solltest du noch ein wenig meditieren. Weil du so nervös bist. Und ich möchte doch, dass du einen guten Eindruck hinterlässt.“
Eine knappe Stunde später hatte ich schließlich doch eine Kerze angezündet und mich in meinem Schlafzimmer aufs Meditationskissen gesetzt. Mal ehrlich: Jetzt hatte ich mir vorgenommen, besser auf die Winke des Universums zu achten – zwar wollte ich mir von meinem Töchterchen nichts vorschreiben lassen, und nervös hatte mich nur die Hornisse gemacht, aber Franziskas Vorschlag war als Hinweis für mich nicht weniger wertvoll als beispielsweise ein zufällig beim Zappen im Fernsehen aufgeschnappter Satz. Das sagte mir meine Logik. Trotzdem saß ich da erst einmal mit meinem Trotz. Und bevor sich irgendeine Versenkung einstellen konnte, ging die Türklingel.
Wenig später war unsere Wohnung von Geplapper und Geschnatter erfüllt. Und von lauter neugierigen Freundinnen, die sich überall interessiert umsahen. Schnell pustete ich die Kerze aus und schob das Kissen unter mein Bett.
„Mom, schneidest du uns die Torte auf?“ Franziska erschien mit einem überdimensionalen Schokoladenkuchen in der Tür. Freundinnen hatten sie gebacken, und mit Smarties stand drauf „Für Zissy“. Aha. So wurde sie also zur Zeit genannt.
Alle saßen schon erwartungsvoll um Franziskas Schreibtisch herum, den ich mit Tischtuch, Servietten und einem Blumenstrauß – mehr ließ sie nicht zu – zur Geburtstagstafel meiner Tochter umfunktioniert hatte, als ich den Kuchen servierte. „Was macht deine Mutter eigentlich so?“, wurde Franziska gefragt.
„Ich arbeite in einem...“ setzte ich an, doch meine Tochter unterbrach mich mit „Sie ist ‘ne Lichtarbeiterin“, was unterschiedliche Reaktionen auslöste, von Desinteresse über Befremden bis hin zu einem kollegialen Nicken.
„Was’nn das?“ wollte einer der wenigen Jungs am Tisch wissen. Alle Augen richteten sich auf mich.
„Ich ähm...“ Meine Tochter machte keine Anstalten, mir zur Hilfe zu kommen. Stattdessen ergriff ein großgewachsenes Mädchen mit rotgefärbten Haaren, das mir vorher lächelnd zugenickt hatte, das Wort: „Lichtarbeiter glauben, dass es mehr als ihre beschränkte menschliche Persönlichkeit gibt, und stellen sich in den Dienst von etwas Umfassenderen.“ Der Junge nickte grinsend und sagte: „Microsoft?“
Alle lachten. Meine Tochter zog mich zu sich herunter und meinte: „Das war Nadja. Und das da Thorsten.“ Alle schienen versorgt, keiner mehr an mir interessiert, aber ich wollte mich nicht einfach wie ein Heimchen in die Küche verziehen.

Und so fragte ich vorlaut in die Runde: „Ist eigentlich Krekk hier? Ich meine, Yvonne?“ Franziska hatte mir letztens von einem Mädchen in ihrer Klasse erzählt, das sich für einen Drachen hielt.
„Nee“, sagte Thorsten, „Krekk muss sich häuten.“ Franziska nickte traurig: „Schlechtes Timing.“ Alle mampften hingebungsvoll ihr Stück Schokoladenkuchen. Und ich zog mich nun doch in die Küche zurück.
Über einen Milchkaffee gebeugt fiel mir ein, dass meine Tochter sowohl von Thorsten als auch von Nadja erzählt hatte. Nadja kannte sie aus der Schülerzeitungs-Redaktion, wo sie als Expertin für Alien-Channelings galt. Und Thorsten checkt hin und wieder mal für ein Pausenbrot die Akasha-Chronik.

„Frau Miems?“ Nadja war zu mir an den Küchentisch getreten, und ihre Augen leuchteten auf, als sie mich am Kaffee nippen sah.
„Auch einen?“ fragte ich. Sie nickte und setzte sich. Ich goss ihr ein. Nadja hatte einen warmen, ernsten Blick, dem ich anzusehen glaubte, dass sie ein, zwei Jahre älter als meine Franziska war. Oder lag das an den dichten, dunklen Augenbrauen?
„Sie sind Thorsten doch nicht böse...?“ – „Böse?“ – „Wegen ‚Microsoft‘.“ Ich musste lachen. Nadja nahm dankbar den Kaffee entgegen, in den ich reichlich Milch geschüttet hatte.
„Zis hat mal erwähnt, dass Sie Channelings lesen...“ Ich nickte: „Allerdings keine Raumflottenkommandanten oder andere Außerirdische.“
Nadja sah mich ernst an und runzelte ein wenig die Brauen. Dann zog sich ein feines Lächeln über ihre Lippen: „Wenn ein Channeling von Jenseits kommt, ist es automatisch ein wenig außerirdisch, oder?“ Sie wartete eine Antwort nicht ab: „Haben Sie selbst auch schon?“ – „Gechannelt?“ Ich schüttelte den Kopf.
„Vielleicht haben Sie ja Lust, mit rüberzugehen.“ Nadja erhob sich. Ich folgte ihr misstrauisch: Was mochte da inzwischen im Zimmer meiner Tochter vor sich gehen?
„Ich bin dann wie tot, als ob ich gar nicht da wäre, für eine lange Zeit. Doch hin und wieder fühle ich etwas Fremdes in mir, etwas Weiches, und das kickt mich an, macht mich wütend, das macht mich heiß!“ Franziska saß mit geschlossenen Augen inmitten ihrer Gäste, die alle gespannt an ihren Lippen hingen. Nadja setzte sich leise auf ihren Platz, ich blieb in der Tür stehen.
„Doch bevor ich diesen Fremdkörper ganz verbrennen kann, springt er raus, und ...“ – „Ich weiß!“ rief Thorsten. Franziska öffnete die Augen und sah ihn fragend an. „Euer Toaster.“ Alle blickten an mir vorbei durch den Durchgang in die Küche, wo auf der Anrichte der chromglänzende Toaster stand. Franziska nickte. Thorsten grinste.
Er schloss die Augen: „Ich channel was, was du nicht siehst, und das sagt...“
Es wurde noch ein lustiger Abend. Nur dass wir wegen des mitgebrachten Kuchens nicht mehr zu den Erdbeerpfannkuchen kamen.
Als ich endlich gespült und aufgeräumt hatte, war ich immer noch nicht müde. Ich meditierte eine Runde, setzte mich dann am Küchentisch an Bürokram. Schließlich stellte ich mich auf den Balkon, wo ich noch ein wenig Zwiesprache mit den bereits verblassenden Sternen hielt. Wie ein Geist erschien Franziska im Bademantel. Hatte sie auch nicht schlafen können?
„Danke für alles“, sagte sie und küsste mich. „Und sorry wegen der ‚Lichtarbeiterin‘ – ist mir so rausgerutscht...“ – „Schon okay.“ – „Weil ich doch irgendwie auch ...“ Ihre Stimme verklang.
Ein paar Augenblicke lang starrten wir beide hoch in den Nachthimmel. Franziska legte einen Arm um meine Hüfte und schmiegte sich an mich. „Weißt du, manchmal weiß ich’s auch nicht.“ Ich legte ihr den Arm um die Schulter. Jetzt nicht drängen, sondern einfach abwarten.
„Wer ich bin und so, warum ich hier bin, und was wichtig ist. Und was überhaupt wahr ist. Und ob ich was checke oder nicht. Weißt du?“
Ich nickte. „Geht mir genauso.“ Franziska kicherte ein bisschen: „Echt? Du auch?“ – „Na ja, wenn ich eins weiß, dann das.“ Sie drehte sich zu mir und versuchte, mir ins Gesicht zu sehen. Doch es war zu dunkel. „Da sieht man’s mal wieder.“ – „Genau. Wir tappen völlig im ...“ – „... im Licht!“
Wir mussten beide lachen. Das gefiel mir: völlig im Licht tappen. Das passte irgendwie.
Die Sonne ging auf. Und Franziska lief barfuß in die Küche, um Pfannkuchen für uns zu backen.

Zuerst erschienen in der Zeitschrift Lichtfokus: http://www.elraanis.de





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Liebe Grüße
Majka

Simon Offline




Beiträge: 234

04.01.2007 15:13
#2 RE: Abenteuer im astralen Alltag antworten



Danke Majka! Die GEschichte hat mir beim Lesen das Herz geöffnet! Ich liebe solche Geschichten aus dem Leben... Eine andere Art von Hilfe für alle, die sie annehmen können, und dabei ehrlich mit sich selbst sind.


Majka Offline




Beiträge: 8.781

04.01.2007 20:37
#3 RE: Abenteuer im astralen Alltag antworten

Lieber Simon,

du darfst dich auf weitere Geschichten freuen. Ich habe von dem Verlag die Erlaubnis bekommen, dass wir sie hier veröffentlichen dürfen.
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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.781

11.01.2007 23:05
#4 RE: Abenteuer im astralen Alltag antworten

Die Galaxis lässt grüßen

von Annadruse Miems


„Wow!” sagte meine halbwüchsige Tochter, den Kopf im Nacken. Einem irrationalen Impuls folgend war ich mitten in der Nacht von der Autobahn runter gefahren und hatte schließlich auf einer unbeleuchteten Landstraße gehalten. Die Nacht war mondlos und klar, der Himmel übersät mit Sternen.

„Das müssen ja Tausende sein!” Wir wohnen in der Großstadt, und offenbar hatte ich es versäumt, meiner Tochter mal einen richtigen Sternenhimmel zu zeigen. „Und da leben überall Außerirdische?!” fragte sie und sah mich mit dem Blick an, mit dem es sonst um eine Taschengelderhöhung geht.

„Na ja”, erwiderte ich, „das ist wissenschaftlich nicht erwiesen.”
„Und was ist mit den Plejadiern, Mama?”, fragte sie lauernd. Sie hatte anscheinend in meinen Büchern gestöbert und die Marciniak-Bände im Regal entdeckt, auf dem ich im Schlafzimmer meine Esoterik-Lektüre aufbewahre.
Ich blickte hoch in den wolkenlosen Nachthimmel, suchte nach dem Sternhaufen und fand die sieben Schwestern ziemlich schnell. Doch mein Töchterchen war nicht an einer Ortsbestimmung der Sterne, sondern an ihren Bewohnern interessiert:
„Und die Arkturier? Die Andromedaner? Die vom Sirius? Sind die echt?”
„Weißt du, die ganze Sache mit den UFOs lässt sich...”
Sie ließ mich nicht ausreden: „Glaubst du, ich bin ‘n UFO-Freak?!” fuhr sie mir entrüstet über den Mund. Ich schüttelte energisch den Kopf, weil sie das offenbar von mir erwartete. Daraufhin nickte sie. „Ich rede von Kontakt.”
„Kontakt?” fragte ich besorgt. „Du meinst ...” Ich musste schlucken. „Entführungen?”
„Unsinn. Ich hab zwar zwei angebliche Abductees in der Klasse...” – „Was?” – „Abductees, Entführte. Die spinnen ein bisschen rum.” – „Ach. Ja dann...”

Mit einem kurzen Nicken war dieses Thema für sie abgehakt. „Ich rede von Botschaften. Die haben doch alle ihre eigenen Websites, die Außerirdischen.”
Einen Moment lang war ich verblüfft. Websites? Hatte ich da etwas verpasst? Aber dann wurde mir klar, dass sie Channelings meinte. Meine Tochter nickte grinsend und schwang sich rittlings auf ein Zaungatter. Irgendwo auf der dunklen Weide standen massige Schatten herum. Kühe vermutlich.
„Ich schreib doch für unsere Schülerzeitung”, setzte sie erklärend hinzu. „In der Redaktion haben wir DSL-Flatline.”
„Aha. Und da surfst du dauernd durchs Netz und liest Channelings?”
„Nee, nicht nur natürlich. Eigentlich ist da Nadja die Expertin.”

Ich schwang mich jetzt auch auf das Gatter, allerdings nicht so elegant wie meine Tochter. Mit einem schiefen Grinsen vertuschte ich, dass ich mir am Oberschenkel wahrscheinlich gerade einen hässlichen blauen Fleck geholt hatte.
„Die kann besser Englisch”, fuhr sie fort. „Echt Wahnsinn, was die Aliens uns alles so rüberwachsen lassen.”
„Das muss aber nicht alles wahr sein!” Plötzlich entwickelte sich in mir aus einer Angst, die ich nie gehabt hatte – meine Tochter lässt sich im Chat auf einen Pädophilen ein –, die Sorge, irgendwelche Außerirdische mit schlechten Absichten könnten sie anquatschen.

„Nicht? Und woher soll ich wissen, was wahr ist und was nicht?” wollte meine Tochter von mir wissen. Eine entscheidende Frage. Sofort spürte ich in mir das von Mütterlichkeit durchdrungene Gefühl heraufkriechen, meiner Tochter etwas mit auf den Weg zu geben, das ihr, jetzt und später, eine wirkliche Lebenshilfe werden kann. Das, was mich meine Eltern alles auf die harte Tour selbst erfahren ließen.
„Es können Falschinformationen darunter sein, Fehlinterpretationen oder ganz einfach Lügen.” Ich spürte förmlich körperlich, dass ich jetzt alles richtig machen wollte.

„Warum sollte jemand...” Ihre Frage verklang, und bevor ich Luft holen konnte, setzte sie selbst hinterher: „Um sich wichtig zu machen, vielleicht.” Ich nickte. Und nannte das entscheidende Stichwort: „Wahrheit...” Auch ich ließ das Wort verklingen, bis sie mich erwartungsvoll ansah. Dann: „...muss nicht immer die Wahrheit sein. Vieles mag nur für einen bestimmten Menschen oder eine einzelne Perspektive zutreffen. Wichtig ist, wo du eine Resonanz in dir spürst.”
Sie runzelte die Stirn. Ich konnte sie förmlich denken hören. Aber sie sagte nichts.

„Was von alldem hat dich im Innersten angerührt?” fragte ich sie.
„Dass wir mit dem Polsprung alles vergessen, was wir wissen. Alle Menschen werden wieder zu Babys. Und verhungern dann wahrscheinlich.” Sie schüttelte sich bei dem Gedanken daran.
Strenger als ich wollte fragte ich: „Wer sagt das?”
„Emmanuel. Der kommt von Andromeda, glaube ich. Auf einem umgekehrten Zeitstrahl oder so. Und das ist doch schrecklich ungerecht, oder? Dann lohnt sich auch gar nichts mehr in der Schule zu lernen!”
„Und wann soll das sein?” fragte ich.

Sie zuckte mit den Schultern. „Das ist nur eine von fünf interaktiven Zukünften. Und wir sollen nichts ernst nehmen, was er sagt. Nicht zu ernst, jedenfalls. Was ist denn nun wahr?!”
„Dass du ein Gefühl von Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit in dir hast, schätze ich. Das ist der wichtigste Teil daran. Ob nun Polsprung oder Stabhochsprung oder...”
„Mama, du nimmst mich nicht ernst.”

In diesem Augenblick knackte etwas in den Büschen, zwischen denen ich das Auto geparkt hatte. Wir sahen beide hin. Ich wankte und verlor, wie eine Kröte auf dem Gatter hockend, fast das Gleichgewicht.
„Weißt du was, Mama? Wer immer für den ganzen Scheiß verantwortlich ist, die Welt, meine ich, die ganze Chose hier” – fahrige Bewegung – „die wär nie so ungerecht!” Sie grinste, weil sie merkte, wie ich ihr „die” erst für einen Versprecher hielt, dann aber kapierte. Ich grinste zurück – in meiner Jugend hieß das „Göttin sei Dank!” – wurde dann aber wieder ernst: „Dann ist genau das für dich wahr. Und Emmanuel...” - „...hat vielleicht recht in seiner Welt. Aber nicht in meiner, ähätsch!” Dabei drehte sie eine Nase gegen den Himmel, vage in Richtung Andromeda-Nebel.

Ich lächelte, und dann dachte ich: ›Ich sollte dieses Prinzip mal auf mich selbst anwenden. All die Sachen, die ich so lese und für ›wahr‹ halte...‹
Irgendetwas war da in den Büschen – ich glaubte, eine Anwesenheit zu spüren. Doch meine Tochter war mit den Gedanken ganz woanders: „Aber wenn die Zetas, die Reticulaner, meine ich, wenn die sagen, dass...”
Ich sprang vom Gatter und hob auch meine Tochter runter. Ganz schön schwer war sie inzwischen. „Das diskutieren wir ein andermal. Lass uns nach Hause fahren. Egal, was die Zetas dazu sagen, okay?” Bei allen außerirdischen Weisheiten und Ratschlägen: Hier unten auf dem Boden der Tatsachen zu stehen und ein Kind großzuziehen oder wie jetzt zurück ins Auto zu zerren – das war immer noch allein meine Angelegenheit.

Und was die Alien-Kontakte meiner Tochter anging – da sollte ich vielleicht ein wenig recherchieren, um ihr da genauer Rede und Antwort stehen zu können. Abductees in ihrer Klasse – ts, ich war da wohl offenbar nicht ganz informiert.

Den Rest der Fahrt unterhielten wir uns jedenfalls über ganz andere Dinge, Persönliches zwischen Mutter und Tochter, Frauenthemen und Forciertes, von viel Gekicher begleitetes Ablästern.

Zuerst erschienen in der Zeitschrift Lichtfokus: http://www.elraanis.de



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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.781

28.07.2007 14:33
#5 RE: Abenteuer im astralen Alltag antworten
Aliens im Seitenflügel

von Annadruse Miems


Geburtstag

„Für dich. Ein Päckchen”, rief Franziska durch den Wohnungsflur. Gerade hatte ich mich mit einem guten Buch zwischen die Sofakissen gekuschelt. Ich erhob mich ächzend. Meine Tochter kam mir entgegen und meinte halblaut: „Er will’s nur dir persönlich geben...” Draußen war es bereits dunkel geworden. Also hatte einer der Nachbarn das Päckchen für mich entgegen genommen, und ich ahnte auch schon, wer: der Hauswart.
Tatsächlich diffundierte er bereits über die Türschwelle. Ich kam gerade noch rechtzeitig, um ihn wieder in den Treppenflur zurückzudrängen. Unser Hauswart ist unglaublich neugierig und beherrscht eine Art menschlicher Osmose: Während er einen in ein belangloses Gespräch verwickelt, dringt er wie Nebel Stück für Stück in die fremde Wohnung vor, um sie unauffällig in Augenschein zu nehmen.


Nicht bei mir!
Ich nahm das Päckchen dankend entgegen, nickte kurz bei seinem Angebot, mir jederzeit zu helfen, wenn es mal an Abfluss oder Fenster klemmen sollte, und machte die Tür vor seiner Nase zu.

„Was ist es?” wollte meine Tochter wissen. Doch ich kannte den Absender des kleinen Paketes nicht: „Aus Böblingen. Kennen wir da jemanden?” Franziska kam interessiert zum Küchentisch, wo ich dem vielfach verklebten Päckchen mit einem Küchenmesser zu Leibe rückte. Drinnen fand ich, durch Unmassen zerknüllten Zeitungspapiers geschützt, ein Fernglas. „He, super!” flötete Franziska und wollte mit dem Feldstecher in ihrem Zimmer verschwinden. Ich hielt ihn jedoch fest: „Moment!” Mit der anderen Hand suchte und fand ich einen Begleitbrief. Handgeschrieben.
„Ich soll Ihnen von Ihrem Ex-Mann bestellen...” Franziska nahm mir den Zettel aus der Hand. Ich hatte noch „Geburtstag Ihrer Tochter” lesen können, und nach einem kurzen Scan des Schreibens jubelte sie auf: „Für mich!”

„Geburtstag hast du aber erst morgen!” meinte ich streng, aber korrekt. „Und außerdem...” Verwirrt blickte ich auf den Brief.

„Hat Paps sicher bei Ebay für mich ersteigert.” – „Und den Verkäufer den Brief an dich schreiben lassen? Da macht er sich’s aber mal wieder sehr einfach.” – „Ist doch cool”, befand Franziska, „mit dem Ding kann ich endlich dem Alien auf die Finger gucken.” – „Alien?”

Franziska nickte eifrig. „So einer wie dein Vater, ja?” kam mir ironisch über die Lippen. Als gute Mutter nehme ich meine Tochter natürlich ernst und zeige ihr keinesfalls, dass mir ihre wilden Theorien manchmal einfach lachhaft erscheinen.

Franziska schnaubte verächtlich. „Nee, doch kein Walk-in. Ein echter Alien! Hat menschliche Gestalt angenommen. Oder beeinflusst uns alle telepathisch, ihn als Otto Normalo zu sehen.”

„Und woher willst du das wissen? Hat dieser Thorsten aus der 7d das wieder in der Akasha-Chronik gecheckt?” – „7b” korrigierte meine Tochter kurz angebunden und zerrte an meinem Arm: „Komm. Sieh selbst. Und nimm das Ding da mit.”
Sie schob mich zum Fenster ihres Zimmers. Der Mond stand nur als schmale Sichel am Himmel. Die meisten Fenster der gegenüberliegenden Häuser waren erleuchtet. Franziska zeigte auf eines im dritten Stock des Seitenflügels, in das wir von schräg oben hineinblicken konnten. Das Zimmer war dunkel – bis auf einen flackernden Fernseher.
„Und?” fragte ich, denn es war nichts Außerirdisches zu erkennen. Vielleicht war das die Chance, meinem phantasievollen Töchterchen einmal klarzumachen, dass ihre verrückten Ideen manchmal herzlich wenig mit der grauen Realität zu tun haben.

„Kannst du erkennen, was in seiner Glotze läuft?” Ich versuchte es mit dem Fernglas, doch der Blickwinkel war zu steil, ich sah das Fernsehbild nur als schmalen Streifen: Etwas Rotblaues flackerte auf schwarzem Hintergrund. „Das läuft da ständig. Tag und Nacht.” Franziska nahm mir das Fernglas ab und blickte selbst hindurch – ich wollte protestieren wegen Geburtstag und so, aber irgendwie hatte es mein Töchterchen hinbekommen, vollendete Tatsachen zu schaffen, die ich jetzt nicht mehr rückgängig machen konnte.

„Mist!“, beschwerte sie sich, „nicht zu entziffern.“ Sie drehte sich zu mir: „Es gibt nämlich kein Fernsehprogramm, was das zeigt. Weder Kabel noch digital-terrestrisch noch Satellit. Antenne schon gar nicht. Hab’s überprüft.” Erstaunt blickte ich sie an. Wenn sie solchen Einsatz nur mal bei ihren Hausaufgaben zeigen würde ...

„Eine Funkverbindung mit seinem Heimatplaneten, schätze ich”, fuhr sie sachlich fort. „Standleitung. Manchmal sitzt er davor und nimmt Kontakt mit ihnen auf. Vielleicht kann ich dann... He!” unterbrach sie sich selbst und blickte zu ihrem Wecker. „Das schaffen wir noch.“ Wieder zerrte sie an meinem Arm.
Doch ich zeigte Widerstand und sah sie fragend an. „Um die Zeit verlässt er immer das Haus. Wir fragen ihn einfach”, meinte sie erklärend. „Ob er ein Außerirdischer ist?!” Franziska lachte. „Nein. Was auf seinem Fernseher läuft. Dann muss er Farbe bekennen.” Ich schüttelte energisch den Kopf. Franziska sah mich lauernd an. „Emanze oder Mimse?”

„Komm mir nicht so!” zischte ich. Dabei war ich den Spruch selbst schuld: Ich hatte meinen kleinen Trotzkopf mal ironisch „Emanze” genannt, und Franziska hatte schlagfertig mit einem Anagramm meines Nachnamens gekontert: „Mimse”. Das hat sich zu meinem Leidwesen fortan in ihren Wortschatz eingebürgert – als leicht provokativ gemeintes Kosewort mit einem Beigeschmack von „Angsthäschen”. Sie selbst war fein raus, hatte sie doch den Nachnamen ihres Vaters behalten.

„Gut, dann nicht. Du packst es mir aber noch schön für morgen ein ...“ verfügte sie mit Blick auf das Fernglas und stolzierte aus ihrem Zimmer. Ich sah noch einmal zu dem besagten Fenster hinunter. Das Fernsehbild war wirklich ein wenig merkwürdig. Es flackerte im steten Rhythmus, änderte sich aber nicht. Eine Bewegung im Hinterhof ließ meinen Blick tiefer wandern, und ich erkannte meine Tochter, die voller Elan den Seitenflügel betrat. Das Licht im Treppenflur ging an. Sie tat es tatsächlich. Im Alleingang.

Ich war kurz unschlüssig, ob ich mir ebenfalls schnell einen Mantel überwerfen und hinter ihr hereilen sollte, doch da ging im Fenster neben dem mit dem Alien-Fernsehen das Licht aus: Der Außerirdische – nein, der Nachbar!, verbesserte ich mich unwillig, weil das ja nur die blühende Phantasie meiner Tochter war – verließ programmgemäß seine Wohnung. Ich war zu spät dran, um noch eingreifen zu können. Und glaubte auch schon eine Bewegung vor dem Fernseher zu sehen. Hatte Franziska etwa seine Wohnung betreten? Jedenfalls war ich heilfroh, als ich sie wenig später aus dem Seitenflügel kommen sah – gefolgt von einem Mann mit Hut, den ich noch nie bewusst in unserem Mietshaus wahrgenommen hatte.

Ich gab ihr eine Minute für die fünf Stockwerke zu uns rauf und riss dann die Wohnungstür vor ihr auf: „Und?”
„Ich war drin!” meinte sie lächelnd. Ich wusste nicht, ob ich wütend oder stolz sein sollte. „Ist er...?”
„Ich hab’s wie unser Hauswart gemacht”, wich sie aus und warf ihre Jacke auf den Haken. „Aha?” Ich folgte ihr in unsere Wohnung. „Na ja, ich hab gemeint, es riecht nach Gas bei ihm. Und da ist er noch mal rein, um nachzusehen am Herd, und ich bin so ein bisschen hinterher, hab Fragen gestellt, ganz harmlos natürlich. Und dann standen wir in dem Zimmer.”

Sie blickte durch ihr Fenster zum Seitenflügel. „Ist kein Fernseher. Ist ein Monitor. Mit SETI@home.” Sie lachte, als habe sie einen Witz erzählt. Ich zog nur rätselnd die Stirn kraus. „Ein Bildschirmschoner”, erklärte sie, „wo man so ein paar Forschern von einem Radioobservatorium hilft, Alien-Signale zu finden. Deshalb ‚at home‘. Zu Hause!” übersetzte sie überflüssigerweise.

„Ah. SETI. Search for Extraterrestrial Intelligence” rief ich schnell, um nicht so ganz blöd dazustehen. Franziska nickte gnädig. „ Also kein Alien, sondern ein Alien-Sucher”, stellte ich erleichtert fest. Hatte sie doch jetzt vielleicht gelernt, dass sie mit ihren bizarren Behauptungen auch einmal gründlich daneben liegen kann!
„Dann sucht er Ewoks. Er hat nämlich ein paar Dutzend Stofftiere auf seinen Regalen. Ich schätze, der ist ’n Förri.“ – „Der Mann ist was?“

„Ist kein Mann. Ist ’n Förri.” Ich glaubte, mich verhört zu haben, und mir entrang sich nur ein ratloses „Hä?”.
„Jemand, der glaubt, er sei in Wirklichkeit ein kleines, knuffiges Pelzwesen, das fälschlicherweise in einem Menschenkörper steckt.“ – „Ein Furry!“ kapierte ich, ohne wirklich zu kapieren. Jetzt hatte sie doch tatsächlich in einem Atemzug ihre Alien-Behauptung mit einer offenbar noch weit wilderen Theorie getoppt!

Doch für Franziska schien das völlig selbstverständlich zu sein. „Ich sag lieber ‚Otherkin‘. Weil doch viele von denen gar kein Fell haben, sondern Federn oder Schuppen oder sonst was. Zum Beispiel dachte ich eine Zeitlang, ich sei ein Greif. Aber dann ...” – „Du bist meine Tochter“, protestierte ich entrüstet, „und kein Greif. Wie kannst du nur so etwas Abstruses denken?!“ Sie fasste mich am Arm. „Mama“, meinte sie beruhigend, aber auch ein wenig genervt: „Das ist eine schwierige Zeit für die Menschheit. Da inkarnieren viele, die einfach helfen wollen. Elfen, Drachen, alles mögliche.“

Ich schüttelte ihren Arm ab. Das ging jetzt wirklich entschieden zu weit! Doch bevor ich etwas sagen konnte, ging sie mit einem gemurmelten „Muss noch Zähneputzen“ aus dem Zimmer. In der Tür drehte sie sich noch einmal um: „Yvonne kann das besser erklären. Die kommt auch zu meiner Fete. Frag sie einfach mal, woher sie weiß, dass sie in Wirklichkeit ein Frostdrache ist.” Ich nickte, ohne zu verstehen. „Ach, und ...” setzte sie nach, „... nenn sie nicht Yvonne. Dann erzählt sie dir nichts. Nenn sie Krekk. Und mach bloß nicht dieses superpeinliche ungläubige Kiekser-Kichern, sonst wird sie fuchsteufelswild.”

Damit war sie weg. Was für ein peinliches Kiekser-Kichern? Ich schüttelte ungläubig den Kopf und hörte mich kurz und ein wenig schrill auflachen.



Mit Genehmingung von Elraanis-Verlag: http://www.elraanis.de

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Liebe Grüße
Majka

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