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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Lagerfeuer
Morgaine999 Offline




Beiträge: 564

01.11.2011 16:10
DIE WEGE GOTTES antworten

Ein alter Einsiedler lag vor der Tür seiner Hütte und dachte:

"Ich hab doch lange genug gelebt in der Welt, aber dass darin alles mit rechten Dingen zugehe und dass Gottes Wege allzeit gut und weise sein sollten, darin kann ich mich nicht finden." Darüber schlief er ein und hatte einen Traum:



Eine Stimme, so träumte er, kam vom Himmel und rief:

"Steh auf, Johannes, und geh hinaus in die Welt, ich will DIR DIE WEGE GOTTES zeigen!"

Er stand auf, nahm seinen Stab und schritt in den Wald hinein. Bald hatte er sich verirrt und fand keinen Ausweg und schrie ängstlich nach einen Menschen. Da trat ein unbekannter Mann auf ihm zu und sprach:

"Geh mit mir, denn Allein kannst DU nicht durch den Wald finden."



Am Abend kamen sie an ein Haus, und der Hauswirt nahm sie freundlich auf, speiste und beherbergte sie aufs beste, "Denn", so sagte er, "Ich feiere heute einen frohen Tag. Mein Feind hat sich mit mir versöhnt und mir zur Bekräftigung unserer Freundschaft einen goldenen Becher geschenkt."

Am Morgen wünschten sie ihm einen Gotteslohn für seine Barmherzigkeit; Der Einsiedler aber sah, wie sein Begleiter heimlich den goldenen Becher aus dem Schrank zug und ihn mitnahm, als sie weitergingen. Der Einsiedler wollte böse werden, der Begleiter aber sprach:

"Schweig! So sind DIE WEGE GOTTES!"



Darauf kamen sie wieder in ein Haus; der Hauswirt aber war ein Geizhals, fluchte und schimpfte über die ungebetenen Gäste und tat ihnen allen Spott und alles Leid an. "Da müssen wir fort", sagte der Begleiter, "und den Staub von unseren Füssen schütteln." Ehe sie aber gingen, schenkte er dem Hauswirt, der nicht wußte, wie ihm geschah, den schönen goldenen Becher.

"Was machst Du da?" fuhr der Einsiedler auf; der Andere aber legte den Finger auf den Mund und sprach:

"Schweig! So sind DIE WEGE GOTTES!"



Am Abend kamen sie wieder zu einem Mann, der war sehr gut, aber traurig. Mit all seiner Arbeit, sagte er, könne er es doch nicht nicht vorwärts bringen - das Unglück verfolge ein Stück ums andere von seinem Eigentum müsse er verkaufen, und jetzt habe er nichts mehr als eine baufällige Hütte mit ihren leeren Wänden.

"Gott wird helfen", sagte der Begleiter; vor dem Weggehen aber ergriff er ein Licht und zündete ihm das Haus über den Kopf an.

"Halt!" schrie der Einsiedler und wollte ihm in die Arme fallen; der aber sprach:

"Schweig! So sind DIE WEGE GOTTES!"



Am Abend des 3. Tages kamen sie zu einen Mann, der nahm sie gut auf, war aber sehr finster und in sich gekehrt. Nur mit seinen kleinen Söhnlein war er sehr freundlich, denn es war sein einziges Kind, und er hatte es sehr lieb. Dem Einsiedler gefiel das sehr wohl. Als sie am Morgen weggingen, sagte der Mann: "Ich kann Euch nicht begleiten, mein Sohn wird Euch den Weg zeigen bis an den Steg, der über das Wasser führt, aber gebt acht auf das Kind, dass es keinen Schaden nimmt!"

"Gott wird es behüten", sagte der Begleiter und gab dem Mann die Hand. Als sie an den schmalen Steg gekommen waren, unter dem das Wasser brauste, wollte der Sohn wieder umkehren. Der Begleiter aber sagte:

"Geh nur voran!" Darauf, als sie in der Mitte des Steges gekommen waren, fasste er das Kind im Genick, hob es hoch in die Höhe und schleuterte es hinab in den Strom.

Jetzt verging dem Einsiedler Hören und Sehen. "Du heuchlischer Teufel!" schrie er. "Da will ich lieber im wilden Wald verschmachten oder von den reißenden Tieren mich verzehren lassen, als noch einen Schritt mir dir gehen.

Das sind DIE WEGE GOTTES, die du mir zeigen willst? Da lügst Du und sollst mit deiner Lüge in die Hölle fahren!"



Aber in diesem Augenblick verwandelte sich der Begleiter in einen Engel, ein himmlischer Glanz umstrahlte ihn und er sprach:

"Höre, Johannes!

Der Becher, den ich dem freundlichen Mann nahm, war vergiftet, der Geizhals aber wird sich zum Lohn seiner Sünden den Tod daraus trinken.

Der arme, fleisige Mann wird sein Haus wieder aufbauen und unter der Asche einen Schatz finden, mit dem ihm von nun an aus seiner Not geholfen ist.

Der Mann, dessen Kind ich in den Strom schleuderte, war ein schwerer Sünder, und das Kind, das er verzog, wäre einst ein Mörder gerworden.

Nun wird des Kindes Verlust des Vaters Herz zur Busse kehren, das Kind selbst aber ist wohl aufgehoben.

Du, Johannes, konntest in die Weisheit und Gerechtigkeit DER WEGE GOTTES dich nicht finden.

Siehe! Nun hast Du ein Stück davon gesehen. Bescheide Dich in Zukunft!"



Autor unbekannt
Abschrift aus dem Buch "Leben aus erster Hand" von Heinz Schäfer (Hrsg.)

Shy Offline




Beiträge: 507

10.11.2011 10:56
#2 RE: DIE WEGE GOTTES antworten

Was für eine schöne Geschichte....

Vielen lieben Dank dafür

Ich liebe dich nicht, weil ich dich brauche
aber ich brauche dich, weil ich dich liebe....

Nijemeti Alexander Offline



Beiträge: 511

10.11.2011 17:13
#3 RE: DIE WEGE GOTTES antworten

Ja, um solche Sachen zu verstehen und zu vertragen sollte der Mensch die Einsicht eines Engel haben

Majka Offline




Beiträge: 8.878

11.11.2011 11:50
#4 RE: DIE WEGE GOTTES antworten

Wie steht es in der Geschichte "Ich bin das Licht"?

Zitat
"Denke stets daran", hatte Gott mit einem Lächeln gesagt, "ich habe dir immer nur Engel geschickt!"



Soviel dazu...

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Liebe Grüße
Majka

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