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Dieses Thema hat 6 Antworten
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 Lagerfeuer
Shy Offline




Beiträge: 507

22.02.2012 12:57
#1 Erzählung: Die Entscheidung antworten

Eine Geschichte zum Träumen:

Gedicht
DIE ENTSCHEIDUNG (Erzählung)

von Annegret Kronenberg



Dr. Britta Steiner, eine erfolgreiche Chirurgin, nippte gelangweilt an ihrem Glas. Sie hasste diese Pflichtpartys und noch mehr das alberne Geschwafel einiger arroganter Damen, die nichts anderes zu tun hatten, als sich im Ruhm ihrer erfolgreichen Gatten zu sonnen. Zu Frauen hatte Britta noch nie einen besonderen Draht gehabt. Ihre knappe Freizeit pflegte Britta meistens alleine zu verbringen. Dann konnte sie sich am besten erholen und neue Kraft schöpfen, für ihre harte Arbeit. Auch an diesem Abend blieb es nur bei einem small talk.
Britta war eine etwas eigenwillige Frau, die immer ganz genau wusste, was sie wollte. Vielleicht war das gerade das Erfolgsrezept für ihre steile Karriere. Viele Kollegen, besonders die männlichen, beneideten sie häufig um ihren stetigen Aufstieg. In der Wissenschaft wird es leider immer noch nicht so gern gesehen, dass eine Frau den Ton angibt.

Plötzlich betrat ein hochgewachsener Mann in schwarzer Priesterkleidung den Raum. Alle Köpfe wandten sich ihm neugierig entgegen, und die Gespräche verstummten. Daran war wohl weniger sein außergewöhnlich gutes Aussehen schuld, als seine konservative Kleidung. Der fremde Gast genoss offenbar die gespannte Aufmerksamkeit und erwiderte sie mit einem Lächeln, bei dem seine strahlend weißen Zähne richtig zur Geltung kamen. Überschwänglich wurde er von dem Gastgeber, Prof. Dr. Navel, begrüßt und als Pfarrer Michael Krupps aus Würzburg vorgestellt.
Für einen Moment glaubte Britta, ihr Herz würde stehen bleiben, bevor es in rasendem Tempo weiter schlug. "Micha!" durchzuckte es sie. Dann begegneten sich auch schon ihre Blicke. Sekunden wurden zur Ewigkeit. In beiden flammte wieder auf, was sie glaubten, lange besiegt zu haben. Wie brennende Pfeilspitzen fühlte Britta die Augen der Gäste auf sich gerichtet. Um ihre Erregung zu verbergen, trat sie vor einen Spiegel, stellte ihr Glas ab und rückte ihr kesses Hütchen zurecht. Sie sah, wie Micha direkt auf sie zu kam. Ihr Herz drohte zu zerspringen. Sie drehte sich langsam um und flüsterte hastig: "Micha, begrüße mich bitte ganz formal, alles schaut auf uns, rufe mich später an." Sie kramte in ihrem Handtäschchen und steckte ihm fast unbemerkt ihre Visitenkarte zu. Micha verbeugte sich elegant und ging weiter, er hatte sofort begriffen.
Britta hatte zeitig die Party verlassen. Zu vorgerückter Stunde läutete es an ihrer Haustür. Das überraschte sie nicht, es war für sie ganz klar, daß Micha zu ihr kommen würde.
Sie öffnete die Tür, und beide standen sich eine Zeitlang schweigend gegenüber. Britta zitterte vor Aufregung wie Espenlaub. Dann umfasste Micha ganz schüchtern ihre Schultern und strich sanft über ihr blondes, naturgewelltes Haar. Britta konnte sich nicht mehr zurückhalten, sie schlang stürmisch ihre Arme um seinen Hals, und sie ließen ihren Gefühlen freien Lauf.
"Ich werde nie wieder loslassen, was ich jetzt wiedergefunden habe", hauchte Micha ihr ins Ohr.
Britta löste sich aus der Umarmung, zog ihn in das behagliche Wohnzimmer und fragte erstaunt: "Wie bist du überhaupt hierher nach Hamburg gekommen?"
"Vor einigen Wochen lernte ich Prof. Navel in Würzburg auf einer Podiumsdiskussion kennen. Wir verstanden uns prächtig, und bei dieser Gelegenheit lud er mich zu seinem 50. nach Hamburg ein. Ich hatte doch gar keine Ahnung, was mich hier erwarten würde. Erst hier habe ich erfahren, dass er dein Chef ist. Nie werde ich dich jetzt wieder hergeben,----das heißt, wenn es nicht einen anderen Mann in deinem Leben gibt?"
Britta schüttelte verneinend den Kopf. Mit einem bitteren Unterton in ihrer Stimme fragte sie: "Und wie stellst du dir das vor?" "Ganz einfach, du kommst mit zu mir !"
"So, einfach mit zu dir, womöglich noch als deine Haushälterin?"
"Ach Quatsch", winkte er ab, "wir werden zusammen leben, und jeder geht seinem Beruf nach. Das wird heute schon von vielen Priestern praktiziert, und wo kein Kläger, ist kein Richter."
"Nein, nein Micha", antwortete Britta energisch, "du müsstest mich eigentlich besser kennen. Ich bin ein Mensch, der alles will oder nichts. Dich mit deinem Gott teilen, das könnte ich nie. Schon einmal im Leben habe ich dich deinem Gott geopfert, ein zweites Mal stehe ich das nicht durch."

Sie dachte daran zurück, wie glücklich sie bis vor 15 Jahren gewesen waren. Drei Jahre lang waren sie ein Liebespaar, und er war in ihrem Leben der erste Mann gewesen. Er war es auch bis zu diesem Tag geblieben. Sie hatte ihn so sehr geliebt, dass später für einen anderen Mann kein Platz mehr in ihrem Herzen frei war. Sie hatte ihm alles geschenkt und nie daran gedacht, dass dieses Glück einmal zerbrechen könnte. Dann kam der Tag, an dem Micha ihr erklärte, es sei ihm bewusst geworden, dass er Gott mehr liebe als sie. Er könne einfach nicht anders und fühle sich berufen, Priester zu werden, ein Diener Gottes zu sein. Er hatte die Worte der Hl. Theresia von Avila gelesen: "Gott allein genügt", und sie hatten ihn nicht mehr losgelassen. Für Britta war damals eine Welt zusammengebrochen. Sie hatte sich häufig mit dem Gedanken getragen, ihrem Leben ein Ende zu machen. Doch dann war es ihre geliebte Mutter gewesen, die ihr mit unendlich viel Geduld geholfen hatte, sich innerlich ein Stück von Micha zu lösen. Es war ein langer Prozess gewesen. Britta hatte sich wie besessen auf ihr Medizinstudium gestürzt und ein Erfolgserlebnis nach dem anderen für sich verbuchen können. Für eine neue Beziehung war in ihrem Herzen kein Platz mehr, sie lebte nur für ihre Arbeit. Jetzt einen neuen Anfang mit Micha wagen, der von vornherein zum Scheitern verurteilt war, das konnte und wollte sie sich nicht antun.
Micha unterbrach das Schweigen: "In all den vergangenen Jahren habe ich keinen inneren Frieden gefunden. Ich konnte dich nicht aus meinem Herzen streichen. Manchmal glaubte ich, ich würde wahnsinnig vor Sehnsucht nach dir, das konnte doch nicht Gottes Wille sein. Mir kamen Zweifel. Wie oft habe ich den Telefonhörer in der Hand gehabt und wollte mich bei deinen Eltern nach dir erkundigen. Dann siegte wieder der innere Schweinehund in mir."
Britta blickte ihn traurig an, ihre Augen wurden feucht: "Es wäre auch zwecklos gewesen, bei meinen Eltern anzurufen. Sie sind schon vor sieben Jahren tödlich verunglückt. Seit der Zeit bin ich ganz alleine. Dich musste ich an deinen Gott abtreten und meine Eltern an den Tod. Alles Mächte, die stärker waren als meine Liebe. - Micha, ich habe dich so sehr geliebt, wie man sicher nur einmal in seinem Leben lieben kann. Alles was danach kommt, ist nur noch eine billiger Abklatsch."
Micha war weiß wie der Kalk an der Wand. Er nahm ihr schmales Gesicht in beide Hände. "Was musstest du alles durchstehen, mein Liebstes, und ich hatte von allem keinen blassen Schimmer! Was habe ich dir damals nur angetan? Ja, ich war blind für meine Umwelt, ich habe nur mich gesehen. Aber ich habe auch gelitten."
Britta zuckte mit den Schultern: "Was nützt uns das heute, Micha?"
"Heute weiß ich, dass ich dich niemals wieder loslassen werde, egal was kommt", er hob ihr Kinn mit einem Finger, und sie ließen sich auf den weichen Teppich vor den knisternden Kamin nieder.
Britta kuschelte sich wie ein Kind in seine starken Arme, und sie begann zu erzählen: "Weißt du, Micha, im vergangenen Jahr war ich drei Monate lang in einem Missionskrankenhaus in Ruanda, mitten im Busch. Dort habe ich mein Herz verloren. Ich habe mich in die Menschen verliebt, die so dringend unsere Hilfe brauchen. Du kannst dir ihre Not gar nicht vorstellen, das muss man gesehen haben. Ich habe mir vor Ort alles angeschaut und festgestellt, die Arbeit dort ist meine Berufung. Inzwischen habe ich das Notwendige in die Wege geleitet und werde in etwa einem Jahr den leitenden Arzt der Klinik, der schon sehr alt ist, ablösen. Es wird für mich eine Lebensaufgabe werden."
Michael war total geschockt, mit so etwas hatte er nun gar nicht gerechnet, zumal sie so eine erfolgreiche Ärztin war. Er richtete sich auf und fragte ganz entrüstet: "Bist du denn von allen guten Geistern verlassen, weißt du überhaupt was da auf dich zukommt, auf was du dich da einlässt? Du gibst doch deine ganze Sicherheit und dein Ansehen, das du dir hier erworben hast, auf."
"Ja, Micha", sie strich ihm dabei mit dem Finger über die Nase, "ich habe mir alles ganz gründlich überlegt. Ich fühle mich dazu so berufen wie du dich damals zu deinem Priesteramt.
Aber weißt du, deine Einstellung zu Sicherheit und Ansehen passt nicht zu dir, das bist nicht mehr du. Zumindest habe ich dich anders in Erinnerung."

Als Britta am nächsten Morgen zum Dienst musste, schlief Michael noch fest. Sie deckte für ihn den Frühstückstisch und legte ihm ein Briefchen mit folgendem Inhalt auf den Teller:
"Geliebter Micha, Danke für die wunderbaren Stunden. Bitte melde Dich nicht mehr bei mir, wir können so nicht glücklich werden. Lass jeder von uns seiner Berufung folgen. Du wirst ewig in meinem Herzen bleiben.

"So eine Liebe gibt's nur einmal,
und war die Zeit auch schnell vorbei,
du wirst ein Leben davon träumen
wie einen Sommer lang vom Mai."
In Liebe, Deine Britta.
Nochmals Dank und Lebewohl."

Britta hatte einen langen, arbeitsreichen Tag hinter sich, als sie am Abend erschöpft ihre Wohnungstür aufschloss. Sie zögerte einen Moment, die Tür zu öffnen. Vielleicht war Micha gar nicht abgereist. Als sie eintrat, fand sie die Wohnung leer vor. Auf dem Couchtisch lag eine langstielige, rote Rose mit einer kleinen Karte. Darauf stand in den für Micha typischen kleinen Buchstaben:"Meine allerliebste Britta! Ich danke Dir für Deine Liebe und Deine Ehrlichkeit. In Deiner gemütlichen, kleinen Wohnung habe ich noch einige Stunden verbracht und viel über uns nachgedacht. Ich habe dabei für mich eine ganz wichtige und große Entscheidung getroffen. In einem Jahr werde ich Dich in Ruanda erwarten, ungeteilt, d. h. als freier Mann. Meine Entscheidung steht ganz fest. In Würzburg werde ich sofort alle nötigen Schritte in die Wege leiten und meine Laisierung beim Bischof beantragen. Ich denke, Ruanda kann für uns beide eine Lebensaufgabe werden. Hoffentlich kannst Du meinen Entschluss akzeptieren.
Ich freue mich auf Dich, ich warte sehnsüchtig auf Dich, ich liebe Dich.
In inniger Liebe, Micha."

Britta presste die Rose an ihre Lippen, und heiße Tränen der Freude und des unfassbaren Glückes rannen über ihre Wangen.

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Du bist nicht auf der Erde, um unglücklich zu werden. Doch Glück ist allein der innere Frieden. Lerne ihn finden. Du kannst es. Überwinde dich selbst und du wirst die Welt überwinden.

Lady_Masque Offline




Beiträge: 2.471

23.02.2012 12:00
#2 RE: Erzählung: Die Entscheidung antworten

Die Geschichte ist so schön und so lang, dass sie ein eigenes Thema verdient hat.
Versehentlich habe ich das Gedicht von vorhin auch noch mit kopiert, tut mir leid. Evtl. kann Majka helfen und das Gedicht wieder zu den Gedankenperlen schicken?
Danke!

Shy Offline




Beiträge: 507

23.02.2012 12:50
#3 RE: Erzählung: Die Entscheidung antworten

Hier noch der Link zu dieser Seite:

http://www.gedichte-garten.de/

herzlichst Shy

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Majka Offline




Beiträge: 8.773

23.02.2012 14:13
#4 RE: Erzählung: Die Entscheidung antworten

Danke, liebe Shy, dass du du inzwischen die Zustimmung mit der Veröffentlichung eingeholt hast.
Es ist wichtig die Urheberrechte zu respektieren.

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Liebe Grüße
Majka

Shy Offline




Beiträge: 507

30.08.2012 09:15
#5 RE: Erzählung: Die Entscheidung antworten

Diese Geschichte berührt mich immer und immer wieder...

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Thalia Offline




Beiträge: 2.036

30.08.2012 10:12
#6 RE: Erzählung: Die Entscheidung antworten

Liebe Shy,

ganz herzlichen Dank, dass du uns diese schöne Geschichte mitgebracht hast. Sie berührt mein Herz sehr.

Erst dachte ich, der Micha hat nichts dazu gelernt, umso überraschter war ich über den Ausgang der Geschichte.

Thalia

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Majka Offline




Beiträge: 8.773

31.08.2012 12:44
#7 RE: Erzählung: Die Entscheidung antworten

Zitat
Evtl. kann Majka helfen und das Gedicht wieder zu den Gedankenperlen schicken?


Das Gedicht bekam einen eigenständigen Thread.

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Liebe Grüße
Majka

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