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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 452 mal aufgerufen
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 Channelings und Botschaften
Majka Offline




Beiträge: 8.773

01.05.2012 17:58
Herz & Stille antworten

Von einer Freundin erreichte mich die Botschaft von Saajid Zandolini, der eine wunderbare Seite "Herz und Stille" im Internet hat.
Die Mail war für mich wie ein Erinnere-dich-doch-an-dein-eigenes-Licht...

Zitat
In Liebe sein?

Selbst, wenn wir viel zu viel von allem haben, was wir uns auf dieser Welt wünschen und aneignen können, so leben wir wahrscheinlich doch unser ganzes Leben lang in einem Mangelbewusstsein. Wie ist dies nur möglich? Es ist wichtig und notwendig uns den Umfang dieser Tatsache klar zu machen, selbst wenn uns diese Erkenntnis zunächst in Bestürzung wirft. Von Kindesbeinen an bis zum Ende unserer körperlichen Existenz ist mit ganz wenigen Ausnahmen unser Grundgefühl jenes, dass uns irgendetwas fehlt, dass wir nicht heil sind. Dies ist die vorherrschende Stimmung im Hintergrund unseres Daseins. Es scheint, als sei die ganze Menschheit von einem Trennungsvirus befallen, welcher uns eine Existenz des In-sich-selbst-gespalten-seins und eine Ich-und-die Anderen-Optik als unsere Daseinsrealität vorgaukelt. Dieser Umstand erzeugt eine immense Fülle an Kompensations- und Suchtverhalten. Die Kompensation der Trennung vom eigenen Ursprung äußert sich in unseren Beziehungen als Sehnsucht mit jemandem in Liebe zu fallen und tiefer in unserer Psyche als Sehnsucht mit uns selbst in Liebe zu sein.

Doch der Glaube in Liebe sein zu können, zu wollen und zu sollen, führt zu einem Sog in Richtung Leiden und unweigerlich zu Enttäuschungen. Liebe ist nicht etwas das getan werden kann. Sie kann nicht gegeben und auch nicht empfangen werden. Das Ich kann weder lieben noch nichtlieben, es ist einfach bedürftig und kleidet seine Bedürfnisse in schöne Namen.

Liebe ist das, was wir im Herzen des Lebens sind - diese unfassbare Weite, Stille und Glückseligkeit. Wir können also nicht "in" Liebe sein, denn dann gäbe es ja zwei, nämlich Liebe und jemand, der in Liebe ist. Doch Liebe erlaubt keine Trennung, denn Liebe ist eins. Es gibt also keinen Weg in die Liebe hinein. Liebe kennt kein Wie, Warum und Wieso. Meinungen und begriffliches Denken erreichen sie nicht. Jede Vorstellung von Liebe die wir zu verwirklichen trachten, egal wie edel diese auch sei, wird uns unweigerlich in einen Leidensprozess führen. Alles Wesentliche im menschlichen Leben, nachdem wir uns sehnen, ist stets das, was wir in der Tiefe unseres Wesens sind. Freiheit, Vollkommenheit, Frieden, Liebe, Glückseligkeit, usw. können wir nicht erreichen, denn stets steht uns die Idee des Getrenntseins im Wege. Es gibt auch keine Liebesgeschichte, welche wirklich glücklich enden könnte, denn es gibt nichts und niemand der sie erfassen oder umfassen könnte und sie kann nirgendwohin gerichtet werden, ohne dass wir uns die Finger an ihr verbrennen. Da Liebe letzten Endes immer sich selbst sucht ist sie das Ende aller Geschichten, denn Liebe ist die Essenz unserer Existenz und führt uns über alle Wege hinweg zu uns selbst zurück. Wir können mit der Liebe nicht verhandeln, diskutieren oder argumentieren. Sie fordert von uns zutiefst vom Leben berührt zu sein. Unsere Ideale und Bedürftigkeit interessieren sie nicht. Liebe ist ein Feuer, das ausnahmslos alles verbrennt, das sich nicht uneingeschränkt und ungetrennt als Ganzes erlebt und sich ihr vollumfänglich ergibt. Sie wirft uns in ihr Feuer und erst, wenn wir aus unserer eigenen Asche auferstehen werden wir ihrer wirklich würdig sein. Denn nur dann können wir "Liebe-sein" und nicht nur von ihr kosten. Liebe lässt uns keine Ruhe bis wir alle Trennung mit allem was existiert überwunden haben. Es gibt Menschen welche glauben, dass das Ego verbrennen müsse. Doch das Ego kann nicht brennen, denn es ist nur eingebildet. Es ist unser Wesen, das im Entzug unserer Süchte und Abhängigkeiten, sowie in der Loslösung von unseren Ideen, Vorstellungen und Glaubenssätzen brennt.

Um wirkliche Liebe zu erfahren sollten wir lernen unsere Ichbezogenheit und dessen Systeme zu durchbrechen. Ein liebevolles und ekstatisches Zusammenleben zwischen Mann und Frau wird nur über "Liebe-sein" und nicht über "Ich-liebe-dich" geschehen können.

In Liebe
Saajid



Quelle: http://www.herzundstille.ch/

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Liebe Grüße
Majka

Lady_Masque Offline




Beiträge: 2.471

02.05.2012 08:54
#2 RE: In Liebe sein? antworten

Ich möchte noch ergänzen, was ich aus dem Buch eines Paartherapeuten habe, dass "lieben" ein aktives Wort ist. Also, nicht nur im stillen Kämmerlein sitzen und Liebe-Bewusstsein verströmen (obwohl das natürlich auch das morphogenetisches Feld beeinflusst), sondern auch auf die Menschen, Tiere, Lebewesen zugehen und Liebe zeigen und geben.
Diese aktive Komponente hat mir bei dem Beitrag oben gefehlt.

Well, if you want to sing out, sing out
And if you want to be free, be free
'Cause there's a million things to be
You know that there are.

And if you want to live high, live high
And if you want to live low, live low
'Cause there's a million ways to go
You know that there are.


(Cat Stevens)

Walter Koch ( gelöscht )
Beiträge:

02.05.2012 12:59
#3 RE: In Liebe sein? antworten

So einfach und doch so schwierig...........

Majka Offline




Beiträge: 8.773

27.05.2012 11:41
#4 RE: Herz & Stille antworten

Inzwischen habe ich die Zustimmung von Saajid geholt, dass seine Newsletter hier veröffentlicht werden können. Hier ein weiterer liebevoller Hinweis:

Zitat

Scham und das Fasten des Herzens.

Eine Freundin und Therapeutin schrieb mir kürzlich:
"Was mich immer wieder und auch immer öfters beschäftigt ist die Scham.
In der Literatur der Psychotherapie ist dazu kaum etwas Brauchbares zu finden. Wie viele Menschen sich doch schämen und Schuldgefühle haben! Wie sehr das Richtig und Nichtrichtig in den Köpfen festsitzt, nicht nur in den Köpfen, tief drinnen verankert, als ständiger Wegbegleiter und Wegweiser!"

Einsamkeit, Verlust und Bedeutungslosigkeit bilden die Wurzelängste der Menschen. Um diesen Abgründen zu entgehen begeben wir uns in immense Schwierigkeiten. Kompromisse, Unehrlichkeiten, Versteckspiele, Unterdrückung, Maskeraden, Betrug, Übervorteilung, Missbrauch, psychische und körperliche Gewaltanwendung und so weiter (eine schier endlose Liste), all dies geschieht durch Verdrängung und Tabuisierung unserer unangenehmen Gefühle und Empfindungen, welche aus unseren Verblendungen, Trennungsideen und Wahnvorstellungen steigen. Wir empfinden uns eingeschlossen, in einem der Vergänglichkeit und dem Verfall ausgelieferten Körper, ausgesetzt und von der Aussenwelt isoliert. Die Bedeutungslosigkeit unseres Tuns und die Sinnlosigkeit all unseres Strebens im Angesicht unserer Sterblichkeit folgt uns Schritt auf Tritt.
Einsamkeit, Verlust und Bedeutungslosigkeit sind unsere Urängste, welche aus den Trennungsgedanken und Trennungsüberzeugungen unserer menschlichen Existenz steigen. Mit dieser Grundidee, hier, in unserem Leben als Einzelwesen, getrennt von allem Übrigen zu existieren, ist es unmöglich in Frieden zu leben. Ausserdem bombardieren uns unaufhörlich die Überzeugungen und Richtlinien der Aussenwelt, welche wir uns zu Eigen machen. Die Last des Christentums mit seiner Ursünde reicht bis tief in das kollektive Unterbewusste hinein. All dies kann nur zu einem enormen Leistungsdruck, konstantem Scheitern, starken Gefühlen des Versagens und des Unvermögens, sowie profundem Gefühl der Unzulänglichkeit führen. Dadurch entsteht eine, mit fortschreitendem Alter, immer tieferreichende Scham, welche durch unsere Verdrängungsmechanismen auch immer undurchsichtiger, undefinierter und allgemeiner wird. Glücklich, bei wem, sei es durch geborgene Kindheit, Einheitserfahrungen, oder ähnlichem, diese Scham und ihre Auswirkungen nicht gar so tief ausgeprägt sind.

Das Erscheinen von Angst, Verletzlichkeit, Hilflosigkeit, Versagen und so weiter, wird also verständlicherweise meist als etwas sehr unangenehm Negatives innerhalb unseres menschlichen Daseins betrachtet, das es zu vermeiden, zu überspielen und zu verdrängen gilt. Doch diese erstaunlich reichhaltigen Empfindungsmöglichkeiten sind keine negativen Eigenschaften unseres Wesens, sondern bieten zutiefst menschliche Erfahrungen und reichhaltigen Nährstoff zum umfassenden Erwachsenwerden. Wir können sie auch als Fähigkeiten bezeichnen, da wir so umfassend ausgerüstet und zu derart tiefen und profunden Gefühlen und Wahrnehmungen fähig sind. Es ist wichtig diese Fähigkeiten wieder ins Bewusstsein zu rufen und sie von unseren geistigen Fesseln zu befreien, denn nur so können sie uns ihre Botschaften überbringen.

All diese Fähigkeiten von ihrem Ballast zu entleeren nannten die Zen-Ahnen das Fasten des Herzens.

Diese Gefühlszustände sollen uns die Unsinnigkeit und die Vergeblichkeit vor Augen führen, der Illusion von Beständigkeit im ewigen Wandel des Lebens und der Illusion von existenzieller Trennung zu erliegen. Existenzielle Einheit ist die Grundlage und natürliche Voraussetzung des Lebens. Das Aufscheinen unserer Wesensnatur und damit das torlose Tor zu Glückseligkeit, Erfüllung, Freiheit, Vollkommenheit und Ewigkeit kann nur "mit und in" all unserem Erleben erkannt und verwirklicht werden.

In Liebe
Saajid



Quelle: http://www.herzundstille.ch/

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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.773

25.06.2012 23:21
#5 RE: Herz & Stille antworten

Wahrheiten sind immer relativ

Wir glauben vielleicht, dass alles sein Gegenteil hat, da wir ja in einer dualen Welt leben. Dies ist jedoch nicht wirklich wahr. Wir denken vielleicht, dass das Gegenteil von Liebe Hass, von Freiheit Gebundenheit, von Vollkommenheit Unzulänglichkeit, von Frieden Konflikt sei. Doch dies ist nicht die Wirklichkeit unseres Seins. Die Eigenschaften des Wesensgrundes sind ohne Gegenteil, denn sonst wäre Erwachen, Transformation und Integration nie wirklich nachhaltig möglich und unsere Läuterung eine sehr wackelige Angelegenheit. Dies ist in etwa so, wie wenn wir unseren Himmel betrachten und aus unseren Betrachtungen schließen würden, dass mal Sonne und mal Wolken am Firmament erscheinen, was rein optisch von der Erde aus gesehen ja stimmt. Wir wissen jedoch, dass die Sonne stets scheint und dass Wolken die Sonne nicht verdunkeln, dass sich Wolken nur optisch vor die Sonne schieben, diese jedoch nicht verdrängen oder verschwinden lassen. Was wir üblicherweise Liebe nennen und welche von Hass verdunkelt wird ist also eher Zuneigung, Anhaftung und Besitzergreifung, als Liebe. Was wir üblicherweise Freiheit nennen und von Unfreiheit verdunkelt wird ist also eher Ablösung, Trennung und Abspaltung, als Freiheit. Was wir üblicherweise Vollkommenheit nennen und von Unzulänglichkeiten verdunkelt wird ist also eher Idealismus, Moral und Anspruch, als Vollkommenheit. Was wir Frieden nennen und von Konflikten verdunkelt wird ist also eher Gefechtspause, Rückzug und Verdrängung, als Frieden.

Solange wir Begriffe wie Liebe, Freiheit, Vollkommenheit und Frieden nur in dualistischen Zusammenhängen verstehen und leben, bleiben wir im Sturm der Gegensätze gefangen und im Meer der Täuschungen verloren. Solange wir nicht zur Quelle unseres Sein, zum Aufscheinen unseres Wesens durchdringen, werden wir weiterträumen und uns auf scheinbare Wichtigkeiten fixieren, diese von scheinbaren Bedeutungslosigkeiten trennen und jenes begehren und dieses verwerfen, uns Ersehntem zuneigen und Gefürchtetem abneigen und so weiterhin rastlos an unserem ganz persönlichen Leidensmantel weben. Diese Leidensmäntel umhüllen in dicken Schichten unser Wesen und lassen es kaum atmen. Sie schaffen einen aggressiven und rücksichtslosen Umgang mit uns Selbst, unseren Mitmenschen, allen Wesen, unseren Ressourcen und allem, was uns in die Hände fällt.

Bedingungslose Eigenliebe, ohne einen Gedanken an sich selbst zu verschwenden ist die nachhaltigste Basis für Transformationsprozesse.

Diese Aussage tönt vielleicht Widersprüchlich, doch wenn wir sie wirklich auf uns einwirken lassen, so öffnet sie uns das torlose Tor unseres Hierseins.

In Liebe
Saajid

Quelle: http://www.herzundstille.ch/

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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.773

16.10.2012 16:54
#6 RE: Herz & Stille antworten

Ist das alles?
Nein, alles ist das!


Es gibt viele Illusionen auf dem weglosen Weg. Sich in die Egoidee zu verbeissen, das Ego zu transzendieren, überwinden oder zu verneinen ist eine dieser grossen Irrtümer, welche weitverbreitet und hartnäckig als Krankheit wüten, denn sie bedienen meistens die Muster, welche uns davor Schützen uns mit unseren Gefühlen der Selbstwertlosigkeit und emotionalen Wunden auseinandersetzen zu müssen. Diese Egokämpfe können uns bis tief in den spirituellen Weg hinein begleiten, bis hin zur Idee aus der Wahrheit zu sprechen, da "ich" ja nun egolos und daher frei von Täuschung sei. Selbst, wenn wir uns damit als spirituelle Lehrer fühlen und durchaus charismatisch und erfüllt wirken mögen, wir beziehen so unsere Ausstrahlung hauptsächlich aus der Energie der Zuwendung unseres Publikums. Doch mit der Ignorierung und Verdrängung unserer seelischen Befindlichkeit sind wir nicht wirklich in der Lage uns selbst so umfassend zu lieben und anzunehmen, dass die Voraussetzung einer gesunden Einswerdung und Ganzwerdung erfüllt ist. Wir sind das Leben, das sich lebt. Wenn wir nicht im Reinen mit unserer individuellen Seele sind, so können wir dies auch unmöglich mit der ganzen Existenz sein. Unsere Erfahrung innerer Befreiung bezieht sich dann lediglich auf die Abwesenheit von Anhaftung an unsere einzigartige Wesenserscheinung. Dies ist keine grosse Errungenschaft.

Natürlich geht es auch darum unsere Rolle im Schauspiel dieses Lebens loslassen zu lernen, doch geschieht dies nicht über vermeintliche Egolosigkeit. Denn das Ego ist nicht wirklich existenziell, da es unserem Wesen nur als Konzept unserer Trennungsideen und Identifikationen dient. Ohne das Annehmen und Heilen unserer Seele ist unser spirituelles Erwachen mit vielen Illusionen durchsetzt und das Erleben unserer existenziellen Leere sodann unerfüllt und kraftlos. Wir kommen nicht darum herum uns unser Leben lang in großer Intensität mit dem ganzen Leben auseinanderzusetzen, die ganze Existenz als unser Selbst zu empfangen und zu durchdringen, sich zu öffnen und als ganzes Wesen erwachsen zu werden. Wir sollten uns mutig den Abgründen unserer Seele stellen und uns der Heilung unserer Wunden in unserem Emotionalkörper zuwenden. Dies ist die schmerzhafteste und schwierigste aller menschlichen Aufgaben überhaupt. Dazu müssen wir den Sandkasten unserer Selbst-Bespiegelungen, Zertrümmerungen und Verneinungen verlassen und tiefer in unser Wesen eintauchen, um Raum und Weite für Liebe und Mitgefühl zu erhalten, denn diese sind erst die Voraussetzungen um das Erwachen zu vervollständigen.

Leichtigkeit, ohne Disziplinlosigkeit
Freude, ohne Ignoranz
Humor, ohne Sarkasmus
Klarheit, ohne Härte
Bestimmtheit, ohne Verbohrtheit
Entschlossenheit, ohne Hintergedanken
Unterscheidungskraft, ohne zu verurteilen
Akzeptanz, ohne Kapitulation
Erkenntnisfähigkeit, ohne Besitzanspruch
Fehlbarkeit, ohne Reue.
Lernfähigkeit, ohne Unterordnung
Lehrfähigkeit, ohne Eigendünkel
Integrationsfähigkeit, ohne Machtanspruch
Liebe und Mitgefühl, ohne mir selbst im Wege zu stehen.


In Liebe
Saajid

Oktober 2012

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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.773

28.10.2012 12:20
#7 RE: Herz & Stille antworten

Ehrlichkeit und Offenheit

Auch wenn wir uns immer mehr Wissen aneignen und viele Dinge umfassender verstehen lernen, so werfen doch alle unsere neuen Erkenntnisse auch immer weitere Fragen auf und zeigen uns sehr deutlich wie wenig wir grundsätzlich über das Leben wissen. Wir sind dem Leben ausgesetzt. Dies macht uns unsere existenzielle Hilflosigkeit bewusst.

Sokrates berühmter Ausspruch "Ich weiss, dass ich nichts weiss", hat nicht wirklich mit Wissen oder Nichtwissen zu tun, sondern mit Hilflosigkeit. Nicht mit Hilflosigkeit im Sinne von "sich nicht wehren können", sondern Hilflosigkeit im Sinne von "dem Leben ausgeliefert" sein. Diese Tatsache fühlt sich für die meisten Menschen sehr haltlos und beängstigend an. Um dieser Haltlosigkeit und den existenziellen Ängsten zu entfliehen türmen wir immer mehr Wissen auf. Dieses Wissen kann unser Leben in gewisser Weise erleichtern, erschwert es jedoch auf andere Weise ebenso. Wissen kann sehr nützlich sein, es wird jedoch immer relativ und reflektiv bleiben. Das bedeutet es kann nicht unmittelbares Leben erfassen. Daher gründet Spiritualität in Einsicht, nicht in Wissen. Doch wir sollten intelligent genug sein all die unterschiedlichen Wissensgebiete auf unseren spirituellen Wegen mit einzubeziehen.

Zu ihrer Wesensnatur erwachte Menschen, welche sich als spirituelle Lehrer(Innen) verstehen, sind oft mit der Frage nach der Wichtigkeit therapeutischer Bearbeitung von Kindheitstraumas überfordert, da sich in ihrer direkten Sicht der Wirklichkeit keine Notwendigkeit für therapeutische Prozesse mit Vergangenheitsthemen zeigt. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden als traumähnlichen Zustand erlebt und Alterskategorien wie Kindheit, Jugend, Erwachsenen- sowie Greisenalter existieren für sie im direkten Erleben der Unmittelbarkeit nicht wirklich. Selten wird diese Überforderung auch zugegeben, oder direkt auf Lehrer und Therapeuten anderer Bereiche hingewiesen. Auf der anderen Seite sind Psychologen und Psychotherapeuten(Innen) oftmals mit den absoluten Aussagen über die ungebundene Wirklichkeit unseres Wesensgrundes überfordert. Zum Einen da es für sie schwierig sein kann ihre Ratlosigkeit gegenüber dem Phänomen Erwachen und seinen Auswirkungen auf die menschliche Psyche einzugestehen und zum Anderen, da sie ihre therapeutischen Maßnahmen teilweise in Frage gestellt wähnen. Spirituelle Lehrer wie Psychologen und Therapeuten sehen es im Allgemeinen nicht gerne, wenn die allumfassende Gültigkeit ihrer Weisheiten und Erkenntnisse angezweifelt wird. Doch die Leidtragenden dieses Konfliktes sind die spirituellen Sucher mit traumatischen Verhaltensmustern, welche sich zwischen zwei entgegengesetzten Haltungen hin und her gerissen fühlen, die nicht zusammenzupassen, ja geradezu im Gegensatz zueinander zu stehen scheinen.

Was spirituelle Lehrer tendenziell als existenzielle Schwierigkeiten der menschlichen Inkarnation, sowie als Auswirkungen der Verblendung und Illusionen betrachten, erachten Psychologen und Therapeuten eher als Prägungen und Muster welche durch Situationen und Ereignisse ausgelöst wurden. Loslösung von Anhaftungen, Identifikationen und Abhängigkeiten, sowie die Transformierung gebundener Energien werden sehr unterschiedlich behandelt. Oftmals stehen sich Forderungen nach direkter Erkenntnis und Einsicht, sowie unmittelbare Umwandlung des existenziellen Fieberwahns auf der einen Seite, einer Aufarbeitung von traumatischen Begebenheiten innerhalb von zeitlichen Abläufen auf der anderen Seite sehr widersprüchlich gegenüber.

Doch beide Haltungen sind wirksam und hilfreich, wenn Ehrlichkeit über Fähigkeiten und Möglichkeiten der Lehrer, Leerer, Psychologen und Therapeuten, sowie gegenseitige Anerkennung der verschiedenen Disziplinen besteht und offen deren Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt werden.
Es wird Zeit voneinander zu lernen und uns gegenseitig zu unterstützen.

In Liebe
Saajid

Quelle: Herz und Stille, Newsletter November 2012

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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.773

26.11.2012 13:24
#8 RE: Herz & Stille antworten

Bejahendes Sein

Jedes von dir geäusserte Ja
ist ein Ja zu dir selbst

Mit jedem Ja
zieht eine göttliche Melodie
durch dein Wesen


Hier eine hilfreiche Übung:
Abends kurz vor dem Einschlafen und morgens kurz nach dem Aufwachen. Ruhiges, jedoch tiefes und langgezogenes Atmen. Wenn möglich durch die Nase.
Linke Hand auf dem Solarplexus liegend, rechte Hand auf dem Herzchakra. Während dem Ausatmen ein langgezogenes, dem Atem folgendes, "Jaaaaaaaa" flüstern, oder denken. Dieses "Ja" erzeugt ein aufsteigendes Gefühl des Einverstandenseins. Dieses Einverstandensein umfasst bedingungslos unsere gesamte Existenz ohne darüber Vorstellungen und Ideen zu erzeugen.
Übung mehrmals wiederholen.

Für Skeptiker: Diese Übung hat nichts mit positivem Denken zu tun. Der Wortlaut Ja mit seiner tiefen Verwurzelung im kollektiven Bewusstsein hat eine tiefgehende energetische Wirkung.

Wem aus spirituell-fortgeschrittenen Gründen das Ja-Denken oder Flüstern unmöglich erscheint, kann dieses auch mit einem inneren Lächeln ersetzen.

Es ist nicht modern oder cool "Ja" zu sagen. Niemand will in unserer Gesellschaft ein Jasager sein. Freiheit und Unabhängigkeit wird im Allgemeinen eher beim Neinsagen empfunden. Sich zu verweigern wird oft für persönliche Stärke angesehen. Doch dieser Hang zum Neinsagen stärkt meistens nur unsere Trennungsgedanken und unser egoistisches Verhalten. Viele Menschen durften ihre Trotzphasen in der Kindheit nicht wirklich ausleben und bleiben ihr Leben lang in einer unterschwelligen Verweigerungshaltung hängen. Dieses Muster passt ganz vorzüglich zu den leider immer noch vorherrschenden, egoistischen, marktwirtschaftlichen und politischen Tendenzen unserer Zeit.
Die Wirklichkeit unseres Wesens kennt jedoch kein Nein. Es ist wichtig diese Aussage zu verstehen. In unserer Wesensnatur sind wir das Leben, das sich lebt. Es gibt keine Trennung zwischen der Einzigartigkeit unserer Erscheinung und dem Leben als Ganzes. Jedes Wesen ist in seiner Wirklichkeit, unteilbar, das ganze Leben. Daher ist jedes geäußerte Ja ein Ja zum Leben und ein Ja zu sich selbst. Mit jedem Ja stärken wir unser Wesen und mit jedem Nein trennen wir uns (meist unbewusst) von unserer Lebenskraft. Natürlich benötigen wir manchmal ein kräftiges Nein. Ein kräftiges Nein zu lebensverneinenden Haltungen und Handlungen ist bei näherem hinschauen jedoch ein Ja zum Leben. Ein Nein zu einem Nein wird in seiner Wirkungsweise so zu einem Ja und ist diesbezüglich wesentlich. Wenn auch scheinbar auf diese Weise ein Nein zu rechtfertigen ist, so ist dies eben nur scheinbar so.

Wenn wir dieses existenzielle Ja anschauen, so ist dies nicht wirklich ein aktiver Ausdruck eines Ichs, das Ja sagt, sondern vielmehr eine Fähigkeit die Dinge "so-sein" zu lassen. Seinlassen ist hier der Schlüssel und nicht richtiges Tun, oder die Vermeidung des Falschen. Doch durch unsere Tendenzen, alles und jedes zu verurteilen und auch uns selbst so sehr zu verurteilen, ist es uns fast unmöglich geworden das was ist "so-sein" zu lassen. Uns selbst "so-sein" zu lassen scheint uns besonders schwer zu fallen. Wie schier unendlich viele Gründe uns doch stets einfallen warum wir uns selbst nicht so annehmen können, wie wir uns gerade vorfinden. Doch Liebesfähigkeit benötigt die Bereitschaft des So-sein-lassens und nicht tausendfache Strategien der Veränderung, welche uns liebenswerter und liebenswürdiger machen sollen.

Liebe ist und bleibt zeitlos stets und immerzu bedingungslos.

In Liebe
Saajid

Quelle: Herz und Stille

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Liebe Grüße
Majka

Anja Offline




Beiträge: 559

26.11.2012 16:51
#9 RE: Herz & Stille antworten

*puh* die Übung tut mir grad richtig gut.....

Herzlich(t)e Grüße
Anja

Majka Offline




Beiträge: 8.773

28.11.2012 20:04
#10 RE: Herz & Stille antworten

Toll, dass du es sofort ausprobiert hast.

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Liebe Grüße
Majka

Majka Offline




Beiträge: 8.773

24.12.2012 13:13
#11 RE: Herz & Stille antworten

Hier und jetzt der Dualität entronnen

Es ist modern geworden die Dualität zu überwinden, oder zu transzendieren, oder als Illusion zu bezeichnen und sich der Nondualität zuzuwenden. Wir machen das in unserer vertrauten, trennenden Art und Weise, nämlich über Abspaltung. Wir setzen der Dualität die Nichtdualität, das Eine, das Absolute, oder auch die Nondualität genannt, gegenüber. Doch alles Duale ist in seinem Wesen nondual. Dualität und Nichtdualität sind nur die Bezeichnungen zweier Aspekte des Einen. Einssein kann nicht getrennt werden. Es gibt in der ganzen Existenz nichts, das wirklich getrennt wäre.

Sich mit dem Absoluten als Gegensatz zu unserer dualen, materiellen Welt auseinanderzusetzen ist, wie immer, sehr praktisch um dem Schmerz unseres Herzens zu entkommen. Wir nennen diesen Vorgang dann gerne „transzendieren“, jedoch versuchen wir uns damit nur unbewusst tiefer von unserem Leiden zu trennen. Wenn wir unsere unangenehmen Gefühle tiefer ins Unbewusste abdrängen, so können wir sie nicht mehr spüren und uns daher auch wesentlich besser über die Tatsache der Abspaltung hinwegtäuschen. Doch Nichtfühlen ist nicht gleichbedeutend mit Verschwindenlassen. Eine Wunde braucht Heilung, nicht Transzendenz oder Verdrängung. Wir tragen viele Wunden mit uns. Aber wir lassen uns im Allgemeinen lieber im Satsang dahingehend betüdeln, dass durch Nichtidentifikation mit unseren Gefühlen, vor allen Dingen ungeliebter Gefühle, der Mist schon gekarrt sei, oder die Suppe schon gegessen sei. Dem ist nicht so. Die vermeintliche Auslöschung des Egos ist nur die Ausserkraftsetzung einer guten und nützlichen Strategie der Individualisierung unseres Wesens. Oft wird das Ego mit der Persönlichkeit, der Individualität und der Einzigartigkeit unserer Erscheinung gleichgesetzt und damit das Kind mit dem Badewasser ausgeschüttet. Diese von vielen Religionen vertretene Überzeugung hat über die Jahrtausende einen Horror vor Selbstauslöschung und eine stets verdrängte Panik im Unterbewusstsein spirituell Suchender Menschen erzeugt. Wer möchte denn schon wirklich ausgelöscht werden? Selbst zum Preis der Vereinigung mit dem Göttlichen ist niemand wirklich dazu bereit, ausser ein paar Kamikaze-Samurais mit Selbstmordtendenzen. Nein, es ist nicht nötig und es wäre auch irrwitzig einen existenziellen Preis dafür bezahlen zu müssen um vollständig existenziell zu werden. Dieser Irrtum entspricht der Dynamik unserer eingebildeten, strategischen Selbstidee und deren Ideale, welche stets bereit dazu sind Ziele anzuvisieren, die scheinbar irgendwo in der Zukunft liegen sollen.

Spiritueller Ehrgeiz, mangelnder Selbstwert und die Idee, dass es, was wir auch immer damit meinen, besser werden sollte, lässt uns kontinuierlich in eine eingebildete Zukunft abschweifen. Doch die Türe zu unserem vollumfänglichen Selbst liegt in der Unmittelbarkeit unserer irdischen Existenz. Und ich möchte Unmittelbarkeit nicht mit Hier-und-Jetzt gleichsetzen, denn diese Bezeichnung ist wieder mal gerade im Begriff zu einer modernen, schönfärbenden und verfänglichen Vermeidungsidee zu mutieren, in der Hoffnung existenziellem Leiden zu entrinnen. Unmittelbarkeit ist vollumfänglich existenziell. Das Hier-und-Jetzt kann jedoch als ein wirkungsvolles, spirituelles Übergangskonzept verstanden werden, welches den Nullpunkt von Raum-Zeit darstellt, um uns einen Übergang zu raum-zeitlosem Erleben zu verschaffen. Diese nützliche Strategie soll uns, über die Hinwendung an die Unmittelbarkeit des Lebens und Erlebens, aus der Raumzeitfixierung herausführen und nicht aus dem vielschichtigen Fühlen unserer irdischen Existenz. Vielleicht sollten wir endlich mal begreifen, dass menschliche Schwächen zu unserer Ausrüstung gehören und dass es im menschlichen Leben zu allererst darum geht sich als sexuelles und emotionales, irdisches Wesen vollumfänglich und liebevoll anzunehmen.

Die alles
erfassende Kraft
ist Liebe


In Liebe
Saajid

Quelle: http://www.herzundstille.ch/

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Liebe Grüße
Majka

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