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Dieses Thema hat 2 Antworten
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Heuler Offline




Beiträge: 1.692

23.11.2012 22:09
Gedichte von Emerenz Meier antworten

Mein Wald, mein Leben

Ich sah den Wald im Sonnenglanz,
Vom Abendrot beleuchtet,
Belebt von düstrer Nebel Tanz,
Vom Morgentau befeuchtet:
Stets blieb er ernst, stets blieb er schön,
Und stets mußt' ich ihn lieben.
Die Freud' an ihm bleibt mir besteh'n,
Die andern all zerstieben.

Ich sah den Wald im Sturmgebraus,
Vom Winter tief umnachtet,
Die Tannen sein in wirrem Graus,
Vom Nord dahingeschlachtet;
Und lieben mußt' ich ihn noch mehr,
Ihn meiden könnt' ich nimmer.
Schön ist er, düsterschön und hehr,
Und Heimat bleibt er immer.

Ich sah mit hellen Augen ihn,
Und auch mit tränenvollen;
Bald hob er meinen frohen Sinn,
Bald sänftigt' er mein Grollen.
In Sommersglut, in Winterfrost, -
Konnt' er mir mehr nicht geben, -
So gab er meinem Herzen Trost;
Und drum: Mein Wald, mein Leben!

Emerenz Meier


Unverbesserlich

Der Vater verbot mir das Dichten,
Das Mütterchen stimmte mit ein:
Ich soll nach dem Stande mich richten,
Die Bücher dem Backofen weih'n.

Wohl hab' ich es heilig versprochen,
Zu tun, was ihr Wille gebeut,
Das Wort hundertmal doch gebrochen,
Das Schwören noch öfters bereut.

Doch gestern, zu Tränen gerühret,
Erneut' ich es nochmals bei Gott,
Durch Bitten und Drohen verführet
Und weiter durch peinlichen Spott.

Ich ging in die dunkelste Kammer,
Hielt über die Verse Gericht,
Verfaßte dann in meinem Jammer
Verstohlen dies Klagegedicht.

Emerenz Meier



Heute habe ich in einer Dokusendung auf ORF 3 über diese außergewöhnliche Frau das erste Mal etwas erfahren und war sofort gefesselt.
1874 in einem kleinen Ort Namens Schiefweg bei Waldkirchen in Bayern geboren,stach sie dort durch ihre dichterischen Begabungen hervor.
Für eine Frau zu dieser Zeit etwas ungewöhnliches und unschickliches.
1906 zog sie mit ihrer Familie nach Chicago denn sie erhofften sich dort wirtschaftlichen Aufschwung, der sich nicht einstellte.
Sie heiratete dort, der erste Mann starb an Schwindsucht und war gewalttätig. Sie selbst verstarb viel zu früh mit 53 Jahren.

Was mich so beeindruckt hat an ihr war ihr unbezwingbarer Freiheitsdrang, unter den sie als Frau zu dieser Zeit sehr zu leiden hatte.
Sie lies sich das dichten jedoch nie verbieten oder nehmen. Zur Zeit des ersten Weltkrieges wurden ihre Gedichte auch sehr polit-und gesellschaftskritisch.
Oft handeln sie über den bayrischen Wald ihrer Kindheit, diese Gedichte haben mich auch stark berührt.

Ich bin eigentlich ein wenig schockiert von dieser so beeindruckenden Frau erst jetzt etwas gehört zu haben. Ich finde sie sollten sich viele als Vorbild nehmen Auf Amazon werde ich mir zu Wheinachten die gesammelten Werke von ihr bestellen.

Hier ist ein Link der zu einer Seite mit ein paar Gedichten von ihr führt wenn ihr jetzt Lust bekommen habt mehr von ihr zu lesen:
http://gedichte.xbib.de/gedicht_Meier.htm

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Wenn Sie mich suchen: ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf. -Genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie!" (Bernd das Brot)

Lady_Masque Offline




Beiträge: 2.471

24.11.2012 10:43
#2 RE: Gedichte von Emerenz Meier antworten

Sehr schön, interessantes Leben, danke fürs Posten!

If you want to live high, live high
And if you want to live low, live low
'Cause there's a million ways to go
You know that there are.


(Cat Stevens)

Renate Offline




Beiträge: 927

07.06.2013 22:43
#3 RE: Gedichte von Emerenz Meier antworten

Hallo Heuler,

die Gedichte gefallen mir und ich finde es beeindruckend über die Frau zu lesen.
Finde ich sehr gut, wenn Frauen in früheren Jahrhunderten, wo sie wenig zu sagen
hatten sich nicht wirklich unterdrücken ließen.

Grüße Renate

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