Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Übersicht | Suche | Anmelden | Login | Online ? | Mitglieder | Chat | FAQ

 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 287 mal aufgerufen
Bei Antworten informieren
 Lagerfeuer
Majka Offline




Beiträge: 8.781

11.03.2007 23:40
Hamsterrad - ich will hier raus! antworten


HAMSTERRÄDER
von Cora Tanou


Hamsterrad Nr. 1 - Wir schwingen

Die meisten von uns schwingen beständig hin und her. Der Volksmund hat dafür einige ganz treffende Sprichworte parat, wie: „Die Ehe ist ein Hühnerhaus, die draußen sind, woll’n rein, die drinnen sind woll’n raus“.
Wer aber hat es nicht schon am eigenen Leibe erfahren - gerade noch himmelhoch jauchzend - und schon zu Tode betrübt. Wenn es all zu schlimm wird, haben die Mediziner dafür passende Ausdrücke und Behandlungsmethoden erfunden. Sie nennen es zum Beispiel manischdepressiv. Wir alle schwingen auf diesem oder jenem Lebensgebiet. Mag es das Schwingen zwischen Arbeitswut und Schlaffheit sein oder das Schwingen zwischen wahrhaft peniblem Ordnungssinn und regelrechter Schlampigkeit, wir sind mit diesen Anlagen wohl schon auf die Welt gekommen - wir schwingen.

Der Drang nach Freiheit und der Drang nach einer starken, harmonischen Bindung - wäre eines davon beständig, könnte man wunderbar damit leben. Aber wir schwingen zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und der Sehnsucht nach Bindung. Wie viele Ehen mögen daran schon zugrunde gegangen sein.

Gehörst du zu dieser Gruppe von Menschen, wirst du die Einsamkeit sicher schmerzhafter als andere spüren, wenn du alleine bist. Du wirst in dieser Phase einen Partner suchen, der dir eine harmonische und stabile Bindung verheißt, denn das Alleinsein kannst du nicht ertragen. Das weißt du jetzt ganz zweifelsfrei. Schön wäre es, wenn es so bliebe. Es bleibt aber nicht so, denn wir schwingen. Allmählich wird die Bindung immer enger, dann spürst du sie wie einen Kerker. Die Sehnsucht nach Partys, nach Vergnügen, nach Freiheit wird übermächtig. Der Partner, der damit meist gar nichts am Hut hat, weil ihn die Zweisamkeit vollkommen befriedigt, steht nur noch im Wege. Er ist sogar eifersüchtig auf die Freunde. Er fühlt sich hintangesetzt. Auf beiden Seiten wird die Unzufriedenheit immer stärker. Die Phase der gegenseitigen Beschuldigungen beginnt. Dann dauert es nicht mehr lange, bis du ausbrichst. Wenn er noch nicht da ist, inszenierst du einen handfesten Ehestreit - Gründe lassen sich dafür immer finden. Und endlich suchst du das Weite. Eine Weile kannst du die Freiheit sogar genießen. Alle alten Freunde werden aufgesucht - die alten Stammkneipen - ihr habt viel Spaß und viel zu erzählen. Bis - ja vielleicht bis zu dem denkwürdigen Weihnachten, wo du bei deinem verheirateten Freund untertauchst. Die Decke fällt dir auf den Kopf, du beneidest den Freund um all die Familienfreuden. Du machst dich wieder auf die Suche und alles beginnt von vorne.
Dort, wo wir schwingen, können wir meist nur wenig tun, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dort handeln wir unbewußt. Dort sind wir blind.

Laß dir von wirklich guten Freunden helfen, die dir nicht zu Munde reden. Streicheleinheiten helfen dir nicht. Eine ordentliche Kopfwäsche tut oft Wunder.

Und wenn du sein Partner bist - es ist im Grunde genommen ganz einfach: Wenn er anfängt zu nörgeln, schick ihn auf Reisen. Du brauchst nicht eifersüchtig zu sein. Er kehrt ganz sicher zurück, denn er schwingt, wenn du ihn läßt, geradewegs in deine Arme.

Das ist aber nur eines der Muster, nach denen wir schwingen. Es gibt Dutzende davon.
Auch das Helfersyndrom ist meist als Schwingungsmuster ausgebildet. Das sind die, die sich überall nützlich machen. Kommen sie zu Besuch, bringen sie Kuchen mit und waschen ab. Ahnen sie auch nur irgendwo ein Problem, bieten sie Hilfe an. Ist einer krank, sie pflegen ihn. Der ideale Freund, der ideale Partner. Meist hält das aber nicht all zu lange an. Dann schwingen sie in die Gegenrichtung. Wenn du einer von ihnen bist, kennst du es sicher: Du fühlst dich schlapp und krank und bist verzweifelt, daß dir keiner hilft. Wer sollte dir aber helfen?
Die, die du magisch anziehst, werden immer Hilfe brauchen. Und wenn du schwach bist, kannst du die nicht geben. Meist flüchten sie von selbst zu einem neuen Helfer. Und tun sie’s nicht, schickst du sie fort. Wenn die Not am größten ist, dann findest du schon Hilfe. Meist sind es völlig Unbekannte, die dir helfen. Sie wissen nichts von deinem Helfersyndrom. So ahnen sie auch nicht, daß der tiefste Punkt schon überschritten ist. Es geht aufwärts mit deinen Kräften. Und ehe du dich auch nur richtig bedankt hast, hast du deinen Helfer schon verstrickt in die Probleme von einem halben Dutzend Hilfesuchenden. Damit hat er aber nichts am Hut, er flüchtet und wenn er es nicht tut, schickst du ihn fort, um dich deinen Hilfesuchenden voll und ganz widmen zu können. Dann ist es so weit - alles beginnt von vorne. Hier kann ich nur warnen: Heirate keinen Helfer, wenn du ein geborener Hilfesuchender bist.

Auf den Lebensgebieten, auf denen wir schwingen, haben wir die meisten Probleme. Meist wissen wir das noch nicht einmal. Wir liefern uns Scheingefechte zu Scheinthemen und nörgeln. Wir schaffen uns Scheinprobleme, die wir für unüberwindliche, manchmal sogar lebensbedrohliche Probleme halten. Haben wir das bekommen, was wir uns so sehr wünschen, können wir es schon nicht mehr gebrauchen. Dann brauchen wir das Gegenteil, das wir aber auch schon bald nicht mehr gebrauchen können, weil wir schwingen.

Die einen schaukeln ein Leben lang. Ihnen ist am Ende ganz schwindlig. Manch einer springt einfach ab und bricht sich das Genick oder bloß den Arm.

Ein paar von uns kapieren das Spiel. Sie hören auf, ständig neu Schwung zu holen. Dann trudelt die Schaukel aus. Sie können gefahrlos absteigen und andere Spiele spielen.



Hamsterrad Nr. 2 - Wir töten

Das ist ein anderes gefährliches Spiel, das wir spielen. Das Töten wäre noch nicht das schlimmste. Aber wir töten mit wahrer Besessenheit gerade das, was wir am meisten lieben.

Gehörst du zu denen, die interessante Menschen lieben? Wenn du einen gefunden hast, wirst du ihn töten. Du versuchst vom ersten Moment an, ihn zu durchschauen. Du beobachtest auch den kleinsten Winkelzug. Du belauerst ihn, bis du auch seine verborgensten Gedanken aufgestöbert hast. Du kannst nicht anders. Wenn du aber alles durchschaut hast, hört der andere auf, für dich interessant zu sein. Die Gespräche werden langweilig, das Beisammensein wird öde. Der andere ist tot. Du wirst ihn begraben und dir einen anderen interessanten Menschen suchen. Und dabei hast du nicht mehr gesehen als ein paar Wellen auf der Wasseroberfläche. Wirklich interessant ist es in der Tiefe, aber dazu mußt du ins Wasser springen. Vom Ufer aus wirst du immer nur dein eigenes Spiegelbild auf der Wasseroberfläche sehen. Das, was für dich interessant ist, ist nicht mehr als das Gekräusel deines Bildes durch die Wellen.

Vielleicht bist du aber auch eine Kämpfernatur und liebst die starken Männer. Wenn du endlich einen gefunden hast, der dir gewachsen ist, nimmt das Schicksal seinen Lauf - du wirst ihn töten. Du wirst vom ersten Moment an deine Kräfte mit ihm messen. Du kämpfst erbittert und willst doch gar nicht siegen. Er soll der Sieger sein, der stärkste aller Männer. In diesem Kampf, der für dich ein Spiel, für ihn aber ein Kampf auf Leben und Tod ist, muß er eines Tages unterliegen. Er brennt aus in diesen Kämpfen. Wenn er aber auch nur ein einziges Mal am Boden liegt, bedarf es des Todesstoßes nicht mehr, er ist schon tot. Er ist nicht mehr der Stärkste. Im Moment des Sieges erlebst du deine größte Niederlage. Was bleibt, ist die Trennung und eine neue Suche.

Egal, wen wir auch immer suchen - wir fangen an zu töten, schon, wenn wir ihn gefunden haben. Manche suchen - finden - töten ein Leben lang. Andere geben auf und tümpeln in ihrem Frust so dahin.

Ein paar von uns durchschauen das Spiel. Sie hören auf zu suchen. Der ideale Partner läßt sich nicht wie ein paar Pilze finden. Zum idealen Partner kann man nur für den anderen werden. Manchmal kann das viele Jahre dauern.



Hamsterrad Nr. 3 - Wir steigen

In dieses Spiel sind die meisten von uns verstrickt. Wir steigen unermüdlich hoch auf einer Stufenleiter. Auf manchen Leitern drängeln die Leute. Sie wollen aneinander vorbei, aber der Vorgänger steht im Wege. Auf manchen Leitern sind die Stufen so hoch, daß sie alle Kräfte aufzehren. Auf manchen Leitern gehen wir allein und sind sehr einsam. Immer aber glauben wir, die Leitern führten nach oben - auf den Berg, auf den Posten, auf den Thron, in den Himmel - dorthin, wo das Glück ist. Manche steigen verbissen ein Leben lang, ohne den Gipfel jemals zu erreichen. Manche kehren um und suchen sich einen neuen Berg - sie bleiben im Hamsterrad.

Aber vielleicht wirst du auf den Gipfel gelangen. Dann stehst du da oben. Die Sicht ist weit. Die Sicht ist grandios. Aber das Glück da oben ist von kurzer Dauer. Der Platz ist begrenzt. Der Stein ist hart. Die Luft ist dünn. Die Blumen blühen da unten. Der Fluß fließt da unten. Die Menschen singen und feiern da unten. Du kannst zur Statue werden da oben oder wieder absteigen. Das ist alles, was über den Gipfel zu sagen ist. Erst wenn du oben warst, wirst du begreifen: das ist es nicht.

Deshalb steige. Dieses Spiel endet erst auf dem Gipfel.



Hamsterrad Nr. 4 - Wir prahlen

Das haben wir offensichtlich den Tieren abgeschaut. Wir plustern uns auf. Wir stellen unser buntes Federwerk zur Schau. Ob wir damit nun einem Weibchen imponieren möchten oder einen Gegner in die Flucht schlagen, bleibt gleich. Es ist einfach nur Prahlerei, es sind Kostüme und Masken. Wir spielen Theater.

Meist hat der Gegner genau so viel Angst, wie wir selber. Wir merken es aber nicht, weil auch er sein buntes Kostüm angelegt hat. Seine Zähne klappern hinter der drohenden Maske. Er hat auch einen Hängebauch. Den sehen wir aber nicht, weil er in ein Korsett geschnürt ist.

Je älter wir werden, desto besser haben wir unseren Text gelernt. Wir halten das Stück für das Leben. Wir glauben unseren großen Worten. Wir stecken in unseren Kostümen. Wir betrachten unsere Masken und imponieren einander mit aufgeplusterten Federn. Der von nebenan ist auch nur ein armes Schwein wie du selbst. Trotzdem putzt du dich und spielst dich auf. Er muß dir natürlich auch imponieren. Sonst nimmst du ihm die Frau weg oder den Job. Das Hamsterrad verlassen heißt, einander nackt zu begegnen. Doch wer tut den ersten Schritt? Was ist, wenn die anderen nicht folgen?

Sie werden sich über dich lustig machen. Dann ist es an der Zeit, daß du dir neue Freunde suchst. Sei das, was du wirklich bist. Dann werden deine Freunde auch wirklich deine Freunde sein.



Hamsterrad Nr.5 - Wir glauben

Wir glauben an alles mögliche. Das ist ein sehr problematisches Spiel. Denn es geht darum, jemanden oder etwas zu finden, der unsere Probleme zu seinen eigenen macht. Er soll die Verantwortung übernehmen für unser Leben.
Wir glauben an den Arzt, der uns gesund macht. Wir glauben an den Psychotherapeuten, der unsere Probleme völlig unproblematisch löst. Wir glauben an den Vater, der immer mal wieder unser Loch im Geldbeutel stopft. Wir glauben an den Freund, der uns versteht und uns recht gibt - immer. Und nicht zuletzt glauben wir an Gott, der uns unsere Sünden vergibt und uns alle Verantwortung für unser Tun abnimmt.

In jungen Jahren spielen wir dieses Spiel meist sehr erfolgreich. Der Arzt verschreibt dir ein paar Pillen. Der beste Psychotherapeut ist dein Freund, weil er den Chef genauso blöd findet, wie du selbst. Das Taschengeld fließt noch reichlich. Und Gott hört deine Gebete, wer er auch immer sein mag. Manchmal reicht als Gott schon eine Wunderpille, die dich auf Wunsch in eine bunte Welt entführt.

Aber dann trifft dich meist völlig unvorbereitet ein Schlag vor den Kopf. Der Chef hat dich entlassen. Dein Freund hat geheiratet und versorgt sein Kind. Die Wunderpille führt dich auf einen Horrortripp. Das ist der erste Kreuzweg. Einen neuen Chef, einen neuen Freund, eine neue Wunderpille zu finden, ist meist ganz einfach. Sie führen ins Hamsterrad. Der andere Weg ist steinig. Er heißt - Verantwortung übernehmen für sein Leben. Das ist der Weg in die Freiheit.

Vielleicht bist du einer von denen, die diesen Weg jetzt noch nicht gehen können. Deine Freunde werden immer jünger. Die Drogen immer härter. Du wechselst die Frauen, die Ärzte und die Chefs und suchst dein Heil in immer neuem Glauben. Noch immer funktioniert es, das Spiel. Du findest die, die deine Probleme zu ihren eigenen machen. Aber nicht mehr lange.

Irgendwann operiert der Arzt nicht mehr, die Freunde hören nicht mehr zu. Der Alkohol hat deine Leber zerfressen. Du findest keine Arbeit mehr und keine Frau. Alle Wunderdoktoren hast du schon verschlissen. Du bist allein mit dir und Gott. Das ist der zweite Kreuzweg. Wenn du jetzt nicht den Kick kriegst, bleibst du im Hamsterrad. Ob dich der Krebs auffrißt, ob dich der Alkohol zersetzt, ob du dir den letzten Schuß setzt oder einfach vor dich hindämmerst - du bist auf dich gestellt. Du ganz allein kannst es wollen - die Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Dann zeigt sich dir Gott, in welchem Bild auch immer.

Er wird deine Probleme nicht lösen. Aber er zeigt dir, wenn du ihn bittest, wie du sie lösen kannst. Und er gibt dir die Kraft, die brauchst. Das ist ein anderer Weg. Das ist ein anderer Glaube.



Hamsterrad Nr. 6 - Wir flüchten

Das ist ein anstrengendes Spiel, weil die Flucht meist viel mehr Kraft kostet als das, wovor wir flüchten. Es geht schon in der Schule los. Wer hat sich nicht hinter seinen „Schularbeiten“ verschanzt, wenn es galt den Eltern die Bitte um Mithilfe abzuschlagen? Wir müßten nur den Mülleimer runter tragen - eine Sache von 5 Minuten. Aber wir nehmen es lieber auf uns, uns 1 Stunde lang hinter unseren Büchern zu vergraben. Hier wurden die Weichen gestellt - die Schiene führt direkt ins Hamsterrad. Wir flüchten vor der Schwiegermutter, vor dem Abwasch, vor dem Geschrei der Kinder und noch immer ist Schularbeiten machen müssen unser treffsicheres Argument. Wir nennen sie heute - Überstunden, ein wichtiges Abendessen mit einem Kunden, die Steuern an das Finanzamt, das Korrigieren der Aufsätze der Schüler. Unserer Erfindungsgabe sind dabei keine Grenzen gesetzt - aber es bleibt die Flucht in die Schularbeiten von damals.Das ist aber bei weitem nicht der einzige Fluchtweg, den sich Menschen ersonnen haben. Wer hat sich nicht irgendwann einer Klausur durch Bauchschmerzen entzogen? Kommt deine Migräne vielleicht auch immer dann, wenn sich die Schwiegermutter zu Besuch ansagt? Oder meldet sich dein Hexenschuß immer dann, wenn eine Gartenparty oder ein Fahrradausflug mit den Freundinnen deiner Frau bevorsteht? Wir flüchten. Wir flüchten vor unliebsamen Arbeiten. Wir flüchten vor unliebsamen Begegnungen. Das wäre auch nicht so schlimm, wären wir nicht im Hamsterrad. Wir merken es nicht, aber wir flüchten immer nur vor uns selber. Wir wollen unseren Schweinehund nicht anschauen, der sich feige in seiner Hütte verkriecht und faul auf seiner Haut liegt. Da ist es leichter, sein Leben lang Schularbeiten zu machen und krank im Bett zu liegen. Dann schaut der Schweinehund wenigstens aus wie ein armer geplagter Hase. Der hat sich dann unser Selbstmitleid redlich verdient.

Du machst deine Schularbeiten, präsentierst dein Zeugnis und läßt dich loben. Aber irgendwann ist keiner mehr da, der sich dein Zeugnis anschaut. Deine Eltern sind alt geworden, deine Kinder sind mißraten, dein Haus ist verfallen, deine Frau hat sich einen anderen gesucht. Deine Einsen sind einfach nur Zahlen auf einem Stück Papier und hinter dir im Hamsterrad grinst dein fetter Schweinehund.



Hamsterrad Nr. 7 - Wir spielen

Das ist ein unterhaltsames Rad. Einige haben es dabei schon zu wahrer Meisterschaft gebracht. Sie spielen mit der Hingabe von Kindern, machen dabei recht ernste Gesichter und lassen sich ihr Spiel auch noch gut bezahlen. Alles wäre gut, würden wir es dabei belassen. Aber die meisten von uns suchen Spielgefährten. Die finden wir in der Regel auch ziemlich schnell. Dann beginnen wir in unserem Hamsterrad zu kreisen. Den wenigsten fällt nämlich auf, daß jeder sein eigenes Spiel spielt. Jeder hat seine eigenen Figuren, seine eigenen Regeln und sein eigenes Spielfeld.

Der eine macht seinen Schachzug. Der Mitspieler spielt aber gerade Mensch-Ärgere-Dich-Nicht. Nach ein paar Zügen ärgern wir uns dann wirklich, weil wir alle Spielzüge ständig im Rahmen unseres eigenen Spiels interpretieren. Das spielt unser Spielgefährte aber gar nicht. Er kann es auch gar nicht spielen, weil er es nicht begriffen hat. Er ist in seinem eigenen Spiel gefangen, von dem wir selber nichts wissen.

Eigentlich wollen wir davon auch gar nichts wissen. Wir suchen nach Spielgefährten, die unsere eigenen Spiele spielen. Damit gehen wir uns aber selber nur noch mehr in die Falle. Wenn sich die Spiele nämlich sehr ähneln, bemerken wir erst recht nicht, daß der andere ein anderes Spiel spielt. Also die Probleme sind vorprogrammiert. Wir ärgern uns über den Spielkameraden, dann suchen wir uns einen neuen, von dem wir glauben, daß er unser Spiel besser spielt. Das macht er aber auch nicht. Er spielt sein eigenes. Und der Kreislauf beginnt auf’s neue. Irgendwann bist du wirklich so richtig matt. Dann stehst du an einer Kreuzung. Der eine Weg führt zurück ins Hamsterrad. Du wirst zum Spielverderber und schottest Dich ab. Der andere Weg führt auf die Spielwiese des Lebens. Dort gibt es viele Spiele. Wenn du irgendwo mitspielen willst, laß dir die Regeln gut erklären.



Hamsterrad Nr. 8 - Wir lieben

Das ist wohl das schönste aller Spiele, bei dem wir alle gern mitspielen wollen. Worauf wir uns dabei einlassen, ahnen wir meistens nicht, wenn es beginnt - das Kribbeln im Bauch. Wir spielen das gnadenloseste aller Spiele, bei dem wir am meisten betrügen. Wir betrügen vor allem uns selber.

Den anderen lieben wir nämlich gar nicht. Wir lieben das Bild, das wir uns von ihm machen. Und oft noch nicht einmal das. Wir lieben ein Idealbild. Wir stülpen dem Geliebten das Bild über wie einen Anzug. Am Anfang zwängt er sich auch tapfer hinein. Aber der Anzug ist von Anfang an zu klein.

Erfülle mir meine Wünsche - das ist für uns die Liebe. Und sicher wäre es auch schön - einander Wünsche zu erfüllen. Nur siehst du den anderen mit seinen Wünschen und Bedürfnissen ja gar nicht. Du siehst das Bild, das du dir von ihm machst. Es gleicht oft mehr deinem Ebenbild als dem des Geliebten. Du suchst und liebst im anderen nur dich selber. So kannst du ihm auch nicht seine Wünsche erfüllen. Du erfüllst ihm deine Wünsche. Du schenkst ihm das Parfüm, das du gerne riechst. Du kochst ihm dein Leibgericht. Du kaufst ihm Bücher, die du interessant findest. Im Anfang spielt der andere noch mit, er schickt sich hinein in den Anzug. Aber das ist nur eine Frage der Zeit, bis die Nähte platzen. Dann steht ihr voreinander in euren zerfetzten Kleidern und schaut euch wütend in die Augen. Der andere ist nicht das Bild, das du dir von ihm gemacht hast. Und du bist auch nicht das Bild, das er sich von dir machte. Ihr steht auf einer Kreuzung. Der eine Weg führt in Frustration, in den Haß und letztendlich in die Trennung. Du bleibst im Hamsterrad.

Der andere Weg führt zur Liebe. Schau ihn an, wie er wirklich ist. Gib ihm, was er wirklich braucht. Liebe ist etwas, was man nicht bekommen kann. Liebe kannst du nur geben.

*******

Es ließen sich noch viele solcher Hamsterräder nennen. Aber letztendlich kann die jeder nur bei sich selbst finden. Überall dort, wo du immer wieder auf die gleichen Probleme stößt, kannst du sicher sein: Du sitzt im Hamsterrad. Die Kulissen mögen wechseln und das Licht. Das Strickmuster der Probleme bleibt das gleiche.

Aussteigen aus den Hamsterrädern, heißt die Verantwortung zu übernehmen für sein Leben.
Es ist ein Weg in die Freiheit.

********

mit freundlicher Genehmigung von Elraanis-Verlag
http://www.elraanis.de

_______________

Liebe Grüße
Majka

Ferry ( Gast )
Beiträge:

14.03.2007 13:46
#2 RE: Hamsterrad - ich will hier raus! antworten
Ich weiß genau was ich will und wie weit ich mich auf etwas einlassen will.
Im Grunde wird mir alles so zukommen wie es für mich passt, ich muss nur richtig hinschauen wagen.

Also will ich weder wo rein noch wo raus - so wie es mir gegeben wird passt es ganz einfach, wenn
nicht so ändere ich es.
Ferry

Manche Rechtschreibfehler sind einfach zu schön, um falsch zu sein.

 Sprung