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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 323 mal aufgerufen
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 Lagerfeuer
Miroslav ( gelöscht )
Beiträge:

26.10.2007 10:15
Wie Krieg ich Frieden antworten
Die folgende Geschichte schrieb sich vor einigen Tagen wie von selbst,
sie fühlte sich für mich gut und heilsam an und so schenk ich sie gern weiter...

Wie Krieg ich Frieden?
von Miroslav Großer

Wie find ich Frieden? fragte sich der Mann und wollte endlich eine Antwort auf diese für ihn immer noch ungelöste Frage erhalten. So setzte er sich bequem und aufrecht in seinen Lieblingssessel und wurde ganz still. Nur das Surren der Heizung war noch zu hören, doch im Innern des Mannes kam es zu dramatischen Szenen. Da sah er seine Gedanken, wie sie sich einander aufs Heftigste bekämpften – auf der einen Seite die sogenannten Guten und auf der anderen die vermeintlich Bösen. Jeder Gedanke hatte jeweils einen einzigen Satz als Waffe bei sich und wiederholte diesen Satz permanent schreiend und brüllend. Dabei schlugen die Gedanken zu Hunderten und Tausenden aufeinander ein. Beide Seiten schienen gleich stark und so nahm das lautstarke Gemetzel einfach kein Ende. Der Mann verzweifelte angesichts der Hoffnungslosigkeit dieser Situation, die sich in seinem Inneren abspielte und konzentrierte sich auf seine ursprüngliche Fragestellung, für die er eine Antwort zu finden gewillt war.

Da weitete sich plötzlich sein Blickwinkel, aus dem heraus er auf das Schlachtfeld seiner Gedanken-Armeen schaute. Und so sah er die Gemeinsamkeiten der „guten“ und der „bösen“ Gedanken. Beide kämpften, beide Seiten befanden sich im Krieg, jeder wollte gewinnen und sein Gegenüber vernichten und besiegen. So, befand der Mann, geht dieser Kampf nie zu Ende. Und er schaute noch genauer hin, was die guten und bösen Gedanken gemeinsam hatten. In seinem Herzen spürte er nun Mitgefühl für die Sehnsucht, die tiefe Sehnsucht all der Kämpfenden, ein sicheres Zuhause zu haben, eine Heimat, wo Geborgenheit und Frieden existieren für jeden Einzelnen. Wie kann das gehen? Das ist die offene Frage in all diesen Kämpfern und Kriegern, erkannte der Mann. Seine Motivation, eine Lösung zu finden für alle an dieser Schlacht Beteiligten, wuchs mit dem Schmerz, den er fühlte angesichts der vielen Tötungen und Verletzungen, die er vor seinen inneren Augen in aller Brutalität erlebte.

Da spürte er eine große Kraft in seinen Geist hinein fließen und eine visionsartige Offenbarung durchflutete ihn sanft und stark zugleich. Klarheit breitete sich aus und die Erkenntnis, dass ER SELBST diese Armeen in den Kampf geschickt hatte, loderte wie ein riesiges Feuer in seinem Bewusstsein. „ICH war der General, der all diese Gedanken in die Schlacht gegeneinander geschickt hat!“ Wenn das der Fall ist, so dachte und hoffte der Mann, dann kann ich sie auch jetzt noch kommandieren. Er nahm all seine Präsenz zusammen und rief mit lauter Kommandostimme: „STOP!!!“ In seinem Inneren stand sofort alles still. Wie in einem angehaltenen Film standen sich die Kämpfenden mit erhobenen Waffen gegenüber. Es war, als ob sie auf das nächste Kommando warteten. Der Mann war erschrocken und erfreut zugleich ob der Macht und Kraft, die er in diesem Moment in sich fühlte. Und er spürte auch diese riesige Verantwortung, die mit dieser Macht verbunden ist. Leere breitete sich in seinem Geist aus. Was kann ich jetzt tun? fragte er sich. Was will ich jetzt tun?

Sekunden wurden zu Minuten, Minuten wurden zu Stunden. Die mit der Leere verbundene tiefe Ruhe im Geist und Körper des Mannes ließen all den Schmerz und die Erschöpfung der bisher ewig erschienenen Kämpfe aus ihm heraus fließen. In dankbarer Erleichterung genoss er diese Stille in seinem Inneren, die er so lange vermisst hatte und erkannte, dass er sich genau JETZT an dem Ort befand, den wir Frieden nennen. Und dann öffnete sich sein Herz und die Liebe seines Wesens für all diese Gedanken, ja, wirklich für jeden einzelnen Gedanken auf dem Feld seines Bewusstseins durchströmte ihn. Wie ein Vater für seine Kinder fühlte er eine neue Verantwortung in sich wachsen und er erkannte, dass kein einziger Gedanke besser oder schlechter, richtiger oder falscher ist als irgendein anderer. Jeder Gedanke hatte seinen Wert, hatte seinen Platz im Leben und hatte eine Aufgabe zu erfüllen, die ER SELBST ihnen gegeben hatte. Mit dieser neuen Einstellung in seinem Geist begann der Mann, sich die einzelnen Gedanken genauer anzuschauen und sie in Gruppen zu sortieren.

Mit einer für ihn ungewohnten Gewissheit begann er, die Gedanken scharenweise aus seinem Dienst zu entlassen und er nahm sich die Zeit, jeden einzelnen Gedanken, den er nun nicht mehr brauchte, in respektvoller Dankbarkeit für die hervorragende Erfüllung der Aufgaben, die ER ihnen gestellt hatte, zu verabschieden. Und dann lud er neue Gedanken ein auf das Feld, das er nun als Spielfeld bezeichnete. Freudig neugierig beobachtete er, wie all diese unterschiedlichen Gedanken nun einen respektvollen Umgang miteinander pflegten, nachdem er ihnen beigebracht hatte, dass er sie alle gleichermaßen liebt und es keinen einzigen Gedanken gibt, der besser oder schlechter oder weniger wert oder gar falsch sein könnte. Als der Mann diesen Gedanken in aller Klarheit zu Ende gedacht hatte, wusste und fühlte er, dass er in diesem Moment die Antwort auf seine Frage nach der Möglichkeit des inneren Friedens gefunden hatte.

Die Antwort, die sich wie von selbst in sein Bewusstsein schob, lautete: Um Frieden in mir zu erfahren, brauch ich nur selbst den Frieden zu schenken, den ich mir von ganzem Herzen wünsche. Diesen Frieden zu geben, der alles gelten lässt, sogar den Krieg, in welcher Form und wo auch immer er mir begegnet, ist die Befreiung vom Warten auf Frieden. So wird der Frieden im einzelnen Menschen zu einem Geschenk, das sich jetzt empfangen lässt - von jedem Menschen, der bereit ist, die Ideen und Konzepte von gut und böse, von besser und schlechter, von richtig und falsch, endgültig loszulassen.

Was dann bleibt, ist die Wahrnehmung des wirklichen Lebens, so, wie jedeR von uns es ganz individuell erlebt. Sich darüber mittels unserer Gedanken auszutauschen, ist eine große Bereicherung und ein großer Segen für unsere irdische Erfahrung als Menschen. Dann ist das Spiel des Lebens wieder als solches erfahrbar, mit all dem Spaß, der Freude und der Leichtigkeit, die damit verbunden sind, wenn wir mit unseren Gedanken spielerisch umgehen. Und der Schlüssel dazu ist einfach die Erinnerung, dass ICH SELBST jeden einzelnen Gedanken ins Spiel bringe und ihn beliebig verändern, verstärken oder verabschieden kann.

Der Mann lehnte sich genüsslich und zufrieden schmunzelnd in seinen Lieblingssessel zurück und dachte über seinen nächsten Gedanken nach, den er gleich aufs Spielfeld bringen wollte…

Mit friedlichen Grüßen
Miroslav Großer
http://www.stimmlabor.de

Kopieren dieser Geschichte gern, bitte mit Quellenangabe. DANKE
Majka Offline




Beiträge: 8.773

29.10.2007 09:11
#2 RE: Wie Krieg ich Frieden antworten
Danke. Danke. Danke.
Sehr rührend und zutreffend finde ich insbesondere den Teil, wo sich der Mann seiner Verantwortung über seine Gedanken bewusst wird.
Auch der Titel mit dem Wortspiel gefällt mir sehr gut.

Meine langjährige spirituelle Lehrerin, Lama Dechen, sagte immer wieder: Der Frieden beginnt in deinem Inneren, dein innerer Frieden wirkt sich auf den äußeren Frieden - der äußere Frieden bewirkt den Weltfrieden.

An dieser Stelle fallen mir auch die über 2500 Jahre alten Worte von Lao Tse ein:
"Wenn du die Welt verändern willst, verändere dich selbst."
Jeder findet den passenden Weg für sich.

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Liebe Grüße
Majka

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