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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Wohnstube
Majka Offline




Beiträge: 8.878

10.06.2008 23:59
Selbstannahme und Veränderung antworten
Hallo, ihr Lieben,
in dem Juni-Newsletter von Zeit zu Leben (zeitzuleben.de) machte sich Tania Konnert Gedanken, wie es eigentlich mit der Selbstannahme ist, wenn wir eigentlich immer Aufforderungen hören, dass wir uns ändern sollen...
Hier ein Auszug aus ihrem Text:

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

viele Therapieansätze und viele Erfolgsratgeber verfolgen in der Summe eines: ihre Klienten oder Leser/innen zu ändern.

Die Grundthese lautet: Um glücklicher oder erfolgreicher zu werden, müssen wir uns ändern – sprich:

- Wir sollen mehr Durchhaltevermögen entwickeln oder wir sollen loslassen lernen.
- Wir sollen dankbarer sein oder eine dickere Haut bekommen.
- Wir sollen freigiebiger werden oder lernen, sparsamer zu leben.
- Wir sollen mehr Nähe zulassen oder wir sollen lernen, Grenzen zu ziehen.
- Wir sollen uns Führungsqualitäten aneignen oder wir sollen lernen, uns unterzuordnen.

Usw., usw.
Während jede einzelne solcher Ansätze und Vorgaben sinnvoll erscheint, so stört mich bei alledem immer mehr die Tatsache, dass wir gleichsam jemand anders werden sollen und das zu erreichen, was wir erstreben.

Es entsteht so viel Unsicherheit aus der Forderung „Ändere dich!“, vor allem dann, wenn Menschen merken, dass sie bestimmte Verhaltensweisen oder Einstellungen schlicht und einfach nicht ändern können. Die Folge ist dann oft, dass sie beginnen, sich selbst abzulehnen und gegen sich selbst zu kämpfen. Das führt zu sehr viel Leid und Schmerz.

Die Alternative?
Wir lernen „ja“ zu sagen zu dem, was, wer und wie wir sind. Wir lernen, uns anzunehmen mit all dem, was uns manchmal das Leben schwer macht. So widersinnig das klingen mag, so hat sich genau diese Strategie für mich als höchst nützlich herausgestellt.

Überlegen Sie doch einmal: Die meisten (vielleicht sogar alle) Verhaltensweisen und Eigenarten haben wir nicht zufällig entwickelt, sondern sie sind Reaktionen auf Erlebtes. Irgendwann einmal haben uns diese Strategien gute Dienste geleistet. Z.B. hat uns unser innerer Kritiker davor bewahrt, von anderen kritisiert zu werden oder er hat uns zu Höchstleitungen angetrieben. Oder unsere Unfähigkeit zu wirklicher Nähe hat uns davor geschützt, verlassen zu werden. Und unsere Unzuverlässigkeit davor, zu berechenbar zu werden. Usw.

Indem wir verstehen, welchen Nutzen uns eine unerwünschte Verhaltensweise bringt, können wir ihren Wert erkennen und sie annehmen. Und genau dadurch wird das möglich, was wir wollen: wir können uns von ihr lösen, weil wir erkennen, dass sie eben in manchen Situationen unangemessen ist. So kann mich meine Angst vor Nähe zwar davor schützen, verlassen zu werden, aber gleichzeitig erzeugt sie Schmerz, weil ich einsam bin. Wir begreifen, warum wir uns in bestimmten Situationen eben so und nicht anders verhalten. Das einmal klar zu erkennen, ermöglicht es, nicht länger gegen das, worunter wir leiden anzukämpfen, sondern wir können beginnen, andere Verhaltensweisen auszuprobieren, die in der jeweiligen Situation erfolgsversprechender sind.

Das Verstehen und das Ja zu dem was ist, bringt unendlich viel Erleichterung. Wir sind nicht „krank“ oder „falsch“. Wir sind einfach. Und so wie wir z.B. als Kinder lernen, dass man mit einer Gabel zwar prima Kartoffeln essen kann, aber dass wir für die Suppe einen Löffel brauchen, so können wir auch lernen, dass unser Ehrgeiz in manchen Situationen sehr nützlich ist, in anderen aber kontraproduktiv. Und diese Erkenntnis öffnet die Tür dahin, flexibler zu werden. Nicht der Ehrgeiz (die Unzuverlässigkeit, die Wut, die Unpünktlichkeit etc.) sind das Problem, sondern der Zwang so zu reagieren. Und meiner Erfahrung nach fordert ein Ankämpfen gegen das, was ist, genau diesen Zwang geradezu heraus, während ein „ja“ löst und auflöst und uns Wahlmöglichkeiten schenkt.

Können Sie mit diesen Gedanken etwas anfangen?

Ihre Tania Konnerth



*********

Ein wichtiger Grundsatz für die Veränderung von sich selbst lautet: Kämpfe NIE gegen dich selbst - es ist eine pure Energieverschwendung! Ein schon im Voraus verlorener Kampf.
Und doch wollen wir uns ändern und weiterentwickeln und und und...
Das Leben ist ein herrlicher Paradox!
Wie schafft man diesen Spagat zwischen den (scheinbaren?) Gegensätzen?

_______________

Liebe Grüße
Majka

Heuler Offline




Beiträge: 1.692

11.06.2008 17:26
#2 RE: Selbstannahme und Veränderung antworten

Vielen, vielen Dank für den Text! Wirklich wunderbar erklärt!

_____________________________
Give me something to believe
`cause I am living just to breathe
but I need something more
to keep on breathing for...

Majka Offline




Beiträge: 8.878

12.06.2008 23:37
#3 RE: Selbstannahme und Veränderung antworten

Der Dank gehört der Tania Konnerth. Sie kann es wirklich sehr gut.

_______________

Liebe Grüße
Majka

Elke Offline




Beiträge: 2.643

13.06.2008 19:37
#4 RE: Selbstannahme und Veränderung antworten

Liebe Majka,
danke für den eindrucksvollen Text.

Ja, neue Glaubenssätze helfen wirklich nicht,
die alten Glaubenssätze zu "übertünschen".

Die Selbsterkenntnis, anhand von Erfahrungen, halte ich für den besseren Weg.
Alte Muster lösen und frohes Mutes weiter voranschreiten
Meines Erachtens ist es viel besser, aus eigenem Antrieb etwas zu verändern,
als sich von anderen verändern/verbiegen zu lassen.


Majka Offline




Beiträge: 8.878

13.06.2008 23:25
#5 RE: Selbstannahme und Veränderung antworten
Meine Erfahrungen sind ähnlich.
Zum Verbiegen bin ich ein ungeeigneter Typ.
Stur wie ein Stier. Wie mein Sternzeichen.

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Liebe Grüße
Majka

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